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Bei einem Retrofit wird das komplette Innenleben einer Maschine erneuert und modernisiert, damit sie wieder zuverlässig funktioniert. Angesichts der derzeitigen ökonomischen und ökologischen Lage hat dieses Verfahren durchaus Zukunft.

 In der Industrie werden Maschinen auf eine harte Probe gestellt. Ihre intensive Nutzung beschleunigt den Verschleiß. Ganz zu schweigen von der Veralterung der Softwarefunktionen oder der notwendigen Anpassung an die neuesten Vorschriften. Als Alternative zum Kauf von neuen Geräten erscheint das Retrofit immer mehr als interessante Lösung.

Damit ist aber keine simple Reparatur gemeint. Es geht vielmehr um die Aufarbeitung einer Maschine durch den Austausch bestimmter Komponenten gegen fortschrittlichere Technik. Meistens sind davon mechanische Teile, die Software oder die Leittechnik betroffen. Es handelt sich also um eine Sanierung, aber vor allem um die Modernisierung und Aufwertung der Geräte. Dank Retrofit bekommen Maschinen ein zweites Leben.

Dank Retrofit bekommen Maschinen ein zweites Leben.

Nun ist die Technik sicher nichts Neues in der Industrie – insbesondere in der Schwerindustrie mit ihren riesigen, kostspieligen Anlagen.

Aber angesichts der derzeitigen Krise, in der es mehr denn je um die Identifizierung von Einsparpotentialen geht, ist das Retrofit für sämtliche Industriebranchen eine interessante Option geworden. Die Lösung gehört in den Bereich der Kreislaufwirtschaft und hat deshalb auch ökologische Vorteile, verursacht sie doch weniger Treibhausgase, Material- und Ressourcenverbrauch.  

Zwischen 20 und 40 % Einsparungen

Das Verfahren verbessert also die Leistungsfähigkeit der Maschinen und senkt gleichzeitig die Kosten. Das kann sogar zu einem Wettbewerbsvorteil führen, indem die Ersatzteilversorgung gesichert, die Herstellkosten gesenkt und so die Erwartungen der Kundschaft besser erfüllt werden können.

Laut European Remanufactoring Network kostet die Aufarbeitung einer Maschine nur 60 bis 80 % vom Neupreis, weil Teile wiederverwertet und so Einsparungen erzielt werden können.  

Wenn es allerdings um das Thema Energiesparen geht, muss der gesamte Lebenszyklus der Maschine betrachtet werden, um zwischen Retrofit und Neuanschaffung zu vergleichen. Außerdem muss das richtige Gleichgewicht zwischen den erforderlichen Investitionen und der allgemein geringeren Lebensdauer einer aufgearbeiteten Maschine gefunden werden.

Last but not least stößt das Verfahren bei manchen Equipments an seine Grenzen, etwa wenn es um die häufig recht strengen Vorschriften im Bereich elektrische Sicherheit geht.  

Eine noch zu selten genutzte Lösung  

Bevor ein Retrofit angestoßen wird, ist daher zunächst eine gründliche Analyse der erforderlichen Aufarbeitung notwendig. Auch die Testphase darf nicht vernachlässigt werden, damit das Produkt die Spezifikationen auch zuverlässig einhält. Dies erfordert den Einsatz hochqualifizierter Fachkräfte.

Schließlich muss sichergestellt sein, dass es für die aufgearbeitete Maschine eine Gewährleistung gibt, die sich auf das gesamte Equipment erstreckt.  

Ein Retrofit ist heute in sehr vielen Bereichen möglich, aber obwohl die finanziellen wie auch ökologischen Vorteile auf der Hand liegen, wird diese Lösung in der Industrie leider noch viel zu wenig eingesetzt. Dabei sorgt diese Technik für modernere, leistungsfähigere und produktivere Maschinen – und das ganz ohne Neuanschaffung.

 

15/11/2021

Von Marcos Salido, Project Manager bei Actemium

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