Enge Zusammenarbeit bei der Modernisierung des deutschen Hochspannungsnetzes
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Deutschland modernisiert sein Hochspannungsnetz, um es fit für die Einspeisung erneuerbarer Energien zu machen. Eine Herausforderung, die eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten erfordert. Auch Omexom ist an der Mammutaufgabe beteiligt.

©Omexom Deutschland
Deutschland befindet sich mitten in der Energiewende und ist dabei, sein Stromnetz tiefgreifend umzugestalten. Angesichts von über 800 Verteilernetzbetreibern (VNB) und vier großen Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) steht die Bundesrepublik mit ihrer dezentralen Struktur vor einer nie dagewesenen Koordinationsaufgabe.
„Die historisch gewachsene Organisationsstruktur setzt auf lokale Versorgung und Wettbewerb, erfordert jedoch ein hohes Maß an Koordination, um die Stabilität und Effizienz des Netzes zu gewährleisten“, unterstreicht Frank Westphal, Vorsitzender der Geschäftsführung von VINCI Energies Deutschland Industry & Infrastructure.
Netz unter Druck
Aufgrund der massiven Einspeisung erneuerbarer Energien, die heute bereits mehr als 50 Prozent des in Deutschland produzierten Stroms ausmachen, kommt das Netz aus dem Gleichgewicht. Grüner Strom, hauptsächlich aus Windkraft (im Norden des Landes) und Solaranlagen, setzt eine nie dagewesene Flexibilität voraus. „Das Netz muss sich an die erheblichen Produktionsschwankungen anpassen. Es gibt nur wenige Länder, die in einem solchen Ausmaß von dieser Herausforderung betroffen sind“, so Westphal.
Mit am meisten Kopfschmerzen bereitet dabei das geografische Ungleichgewicht in Deutschland: Der Strom wird im Norden erzeugt, während der Verbrauch hauptsächlich im Süden stattfindet, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg. Deshalb müssen riesige neue Stromautobahnen gebaut werden, etwa SuedLink, SuedOstLink und NordWestLink.
Zentrale Rolle in Europa
Weil das deutsche Hochspannungsnetz mit sämtlichen Nachbarnetzen verbunden ist, fungiert das Land als Drehscheibe des europäischen Strommarkts. Deutschland spielt eine strategische Rolle im grenzüberschreitenden Austausch. Um seine Klimaziele zu erreichen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, setzt das politische Berlin auf eine stringente Planung des Netzausbaus.
„Nur in enger Zusammenarbeit [zwischen allen Beteiligten] können die Herausforderungen des Netzausbaus gemeistert werden.”
Der von den ÜNB erarbeitete und von der Bundesnetzagentur koordinierte Netzentwicklungsplan Strom (NEP) dient als Fahrplan zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045. Er beruht auf detaillierten Prognosen, öffentlichen Konsultationsverfahren und einem strengen Genehmigungsprozess.
„Die neue Regierungskoalition hat sich die Netzmodernisierung auf die Fahnen geschrieben. Das bedeutet nicht nur einen beschleunigten Ausbau der Infrastruktur, sondern auch die intelligente Einbindung von Strom-, Gas- und Wasserstoffnetzen“, erläutert Westphal.
Knackpunkte Genehmigungsverfahren und Akzeptanz
Die Planung von Hochspannungsleitungen, insbesondere für die Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ), hat mit zahlreichen Hindernissen zu kämpfen: hohe Kosten, komplizierte Verwaltungsverfahren und lokale Widerstände. „Eine unterirdische HGÜ-Leitung kostet zwar bis zu zehnmal mehr als eine Freileitung, ist aber aus Akzeptanzgründen oft die einzige Möglichkeit“, so Westphal weiter.
Trotz der Beschleunigungsgesetze dauert es häufig über zehn Jahre, bis derartige Projekte durchgeführt werden können. Umweltgutachten und Anhörungsverfahren verzögern die Planung. Die Gesamtkosten für die Netzmodernisierung bis 2045 werden auf über 100 Mrd. Euro geschätzt.
Beim Verteilnetz gibt es, anders als beim Übertragungsnetz, keinen bundesweiten Ausbauplan. Es wird lokal gemanagt und muss eine zunehmende Zahl von dezentralen Erzeugern und Verbrauchern einbinden (PV, Stromspeicherung, Ladestationen). Die derzeitigen Prioritäten sind klar: Digitalisierung, Implementierung intelligenter Netze und flexible Einbindung neuer Technologien.
Omexom führend bei Großprojekten
Omexom, die Energieinfrastrukturmarke von VINCI Energies, spielt eine führende Rolle beim Umbau des deutschen Stromnetzes. Sie errichtet Freileitungen, Erdkabel und Schaltanlagen und ist an entsprechenden Großprojekten beteiligt, etwa am Korridor B 525 kV in Partnerschaft mit Amprion. „Das Projekt zeigt beispielhaft das Engagement von Omexom in der Planung, Konzeption und Umsetzung von unterirdischen HGÜ-Verbindungen. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des zukünftigen deutschen Stromnetzes“, erläutert Westphal.
Die neuen Leitungen verbinden Heide und Polsum (440 km) sowie Wilhelmshaven und Hamm (250 km). Die Rolle von Omexom reicht von der technischen Planung über die vorgeschriebene Dokumentation bis hin zum Schnittstellenmanagement und der Ausführungsplanung.
Für den Vorsitzenden der Geschäftsführung von VINCI Energies Deutschland Industry & Infrastructure kann die deutsche Energiewende nur gelingen, wenn alle Beteiligten Hand in Hand arbeiten: „Das Omexom-Technologieforum hat gezeigt, dass die Herausforderungen des Netzausbaus nur in enger Zusammenarbeit zwischen Stromversorgern, Industrie, Politik und Zivilgesellschaft gemeistert werden können. Es handelt sich also um eine gemeinsame Aufgabe.“
15/01/2026