Gehen Sie direkt zum Inhalt der Seite Gehen Sie zur Hauptnavigation Gehen Sie zur Forschung

Small Modular Reactors (SMR) wurden ursprünglich für die Stromproduktion konzipiert, könnten in Zukunft jedoch auch Industriewärme liefern. Allerdings muss die Branche zunächst strukturiert und harmonisiert werden, bevor Anfang des nächsten Jahrzehnts die ersten Anlagen in Betrieb gehen.

Weil der Klimawandel in großen Teilen durch die Umsetzung Energiewende bekämpft werden soll, unternehmen Regierungen, Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen gemeinsame Anstrengungen, um fossile Energieträger durch saubere, erneuerbare Quellen zu ersetzen.

„Die Europäische Kommission schätzt, dass im Jahr 2040 mehr als 90 % des Stroms in der EU aus dekarbonisierten Quellen, in erster Linie aus erneuerbaren Energiequellen, und ergänzt durch Kernenergie, erzeugt werden.“ Weil der Stromverbrauch steigt, muss die installierte Kernkraftwerksleistung EU-weit von 98 GWel im Jahr 2025 auf 109 GWel im Jahr 2050 anwachsen.

Vor diesem Hintergrund kündigte der französische Präsident am 10.02.2025 den Baubeginn von sechs EPR2-Reaktoren im Jahr 2035 an, während bis 2050 acht weitere geplant sind. Diese sechs ersten EPR sollen durch Small Modular Reactors (SMR) und Advanced Modular Reactors (AMR) ergänzt werden.

Was zeichnet diese „kleinen“ Kernreaktoren aus? Sie sind kompakter, flexibler, produzieren aufgrund eines optimierten Abbrands weniger Abfall als herkömmliche Reaktoren und sind mit ihrer niedrigeren Leistung für Regionen mit geringerem Strombedarf geeignet.

Europaweit 30 Anlagen bis 2035

Wie viele dieser neuen Anlagen könnten gebaut werden und bis wann? Die kürzlich auf Initiative der Europäischen Union gegründete European Industrial Alliance on Small Modular Reactors verschreibt sich der Förderung und Beschleunigung der Entwicklung, dem Nachweis der Machbarkeit und der Implementierung dieser SMR. Sie geht davon aus, dass in einem „mittleren“ Szenario bis 2035 europaweit 30 Anlagen in Betrieb sein werden, 80 im Jahr 2040 und 200 im Jahr 2050.

„Ich gehe davon aus, dass es 2031-2032 die ersten europäischen SMR geben wird.”

Die „kleinen“ modularen Reaktoren sind nicht nur eine Alternative zu Kohlekraftwerken, sie könnten zukünftig auch Wärme für Fernwärmenetze und die Industrie liefern. „Laut einer Prognose der Französischen Gesellschaft für Kernenergie (SFEN) braucht Frankreich im Jahr 2050 insgesamt 100 TWh Wärmeenergie für zwei Hauptanwendungsbereiche: Zuallererst für die Industrie, und zu einem geringeren Teil für Fernwärmenetze“, erläutert Pascal Champ, Leiter Entwicklung bei VINCI Energies Nucléaire.

Projekte rund um den Globus

SMR könnten hier eine wesentliche Rolle übernehmen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) zählt weltweit 72 SMR- und AMR-Projekte, davon etwa 20 zur Wärmeerzeugung.

In den USA hat der Chemieriese Dow eine Vereinbarung mit der Firma X-Energy zum Bau von vier Demonstratoren eines Miniatur-Hochtemperatur-Reaktors geschlossen. China möchte seine Hualong-Druckwasserreaktoren, das Gegenstück zum europäischen EPR, mit einem kleinen Hochtemperaturreaktor zur Industriedampf-Erzeugung koppeln. In Finnland beginnt Steady Energy 2026 mit der Konstruktion eines ersten SMR zur Fernwärmeversorgung von Helsinki und Kuopio.

Aber auch Frankreich steht nicht zurück. Der staatliche französische Kraftwerksbetreiber EDF, dessen Projekt SMR NUWARD ursprünglich für den Ersatz von Kohlekraftwerken gedacht war, denkt jetzt über eine nukleare Kraft-Wärmekopplung nach. Neben dem größten Player positionieren sich auch einige Start-ups (siehe Kasten) mit mehr oder weniger fortgeschrittenen Projekten.

Industriemodell der Zukunft

Der Erfolg der SMR hängt jedoch nicht nur von der Lösung technischer Fragen, sondern auch von ihrer Wettbewerbsfähigkeit ab. Sie sind nämlich nur rentabel, wenn sie in großer Stückzahl gebaut und betrieben werden. „Durch eine standardisierte Komponentenfertigung und die Halbierung der Bauzeit im Vergleich zu großen Kraftwerken – knapp vier gegenüber acht bis zehn Jahren – werden fehlende skalenmäßige Einsparungen dann durch den Serieneffekt kompensiert“, erläutert Champ.

Um dies zu ermöglichen, müssen wiederum alle länderspezifischen Standards eingehalten werden, damit der Zertifizierungsprozess harmonisiert werden kann. Deshalb ist eine Strukturierung der Roadmap auf europäischer Ebene notwendig. „Ich gehe davon aus, dass es etwa 2031 oder 2032 die ersten europäischen SMR geben wird – die Überlegungen sind weit fortgeschritten, der politische Wille ist da und die Entwicklung geht voran“, so Champ.


Acht französische Mini-Reaktorprojekte im Rennen

  • NUWARD: Druckwasser-SMR von EDF mit Kraft-Wärmekopplung und einer elektrischen Leistung von 340 MWel. Er erzeugt Strom und Wärme zwischen 150 und 250°C (Wasserstoff, Fernwärme, Entsalzung und Industrie)
  • Calogena: Niedrigdruckwasser-SMR mit einer Wärmeleistung von 30 MWth für Fernwärmenetze.
  • ARCHEOS: Thermischer Leichtwasserreaktor mit einer Leistung zwischen 20 und 200 MW und Temperaturen bis 150°C. Dieser SMR basiert weitgehend auf bereits vorhandenen Technologien und Modellen.
  • Otrera konzipiert einen AMR mit Kraft-Wärme-Kopplung. Er erreicht eine Leistung von 110 MWel und 105 MWth. Der AMR basiert auf den ausgereiftesten Technologien von natriumgekühlten Schnellen Brütern der vierten Generation.
  • Stellaria entwirft flüssigsalzgekühlte Schnelle Brüter mit einem Leistungsziel von 250 MWth und bis zu 120 MWel.
  • Jimmy Energy: Graphitgasmoderierter Hochtemperatur-AMR mit Triso-Haleu-Brennelementen (HTGR) und einer Leistung von 20 MWth zur Erzeugung von Industriewärme bis 500°C.
  • Blue Capsule: Natriumgekühlter Triso-Hochtemperatur-AMR (HTR) mit 150 MWth Leistung für Industriewärme über 450°C.
  • HEXANA: Natriumgekühlter Schneller Neutronen-AMR (SFR) mit einer Leistung von zweimal 400 MWth und Wärmespeicherung für die Industrie oder zur Stromerzeugung.

16/03/2026