Beim Bau von Dienstleistungsgebäuden kommen wiederverwendete Stromkabel bisher nur selten zum Einsatz. Das könnte sich jetzt ändern. Im Sinnes des Klimaschutzes soll das von Cegelec Nord Grands Projets unter der Marke „Circable“ entwickelte Projekt dafür sorgen, dass der Einbau von Gebrauchtkabeln zur Norm wird.

Sie sind genauso sicher und leistungsfähig wie neue, wahrscheinlich leichter zu verlegen und vor allem deutlich „klimafreundlicher“. Dennoch kommen wiederverwendete Stromkabel im Hochbau bisher kaum zum Einsatz. „Die Wiederverwendung von Stromkabeln ist absolut nicht üblich auf der Baustelle. Damit ein solcher Markt entstehen kann, braucht es Angebot und Nachfrage“, erläutert Camille Thiriez, Ingenieur für Innovation und Digital Solutions bei Cegelec Nord Grands Projets.
Seit zwei Jahren arbeitet die BU von VINCI Energies bereits an einem entsprechenden Projekt, damit bei entsprechenden Bestellungen in der Gruppe auch Gebrauchtkabel angeboten werden können. Während der Entwicklung dieses Angebots wurde Cegelec Nord Grands Projets von Leonard, der Zukunftsforschungs- und Innovationsplattform von VINCI, gefördert. Nunmehr liegen eine Reihe von Pilotaufträgen vor, und gemeinsam mit VINCI Energies Building Solutions, der Dienstleistungsmarke von VINCI Energies im Gebäudesektor, geht die BU unter der Marke „Circable“ mit einer Palette von Gebrauchtkabeln mit kleinen Querschnitten an den Start.
Kleine Angebotspalette mit Standardartikeln
Funktionsweise „Wir kaufen die Kabel von Abbruchbaustellen, organisieren die Rückverfolgbarkeit und den Transport zur Aufarbeitungswerkstatt von Vitamine T. Dabei handelt es sich um eine Integrationsfirma, mit der wir ein Qualitätsprotokoll erarbeitet haben“, so Thiriez. „Circable übernimmt die Lagerung und Lieferung der bestellten Mengen. Früher waren aufgearbeitete Kabel teurer als neue, das war ein großes Problem. Dank der Unterstützung durch VINCI Energies Building Solutions können wir die Kabel nunmehr aber zum selben Preis wie Neuware anbieten.”
„Heute haben wir 50 km auf Lager, das reicht für mehrere Dutzend Aufträge.”
Um den Marktbedarf besser zu decken, konzentriert sich das Angebot auf die beiden meistgenutzten Artikel (U-1000 R2V und H07 RN-F). Die Kabel werden in 30-Meter-Rollen geliefert und auf Standardlängen geschnitten: 3 m, 5 m, 10 m und 15 m für Einzelkabel, 3 m, 5 m, 7 m und 10 m für vorkonfektionierte Kabel.
90 % weniger Treibhausgase
Jetzt muss das Angebot nur noch skaliert werden. Die Herausforderung besteht darin, in ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu kommen. „2024 haben wir drei Baustellen mit unseren Kabeln beliefert. Nach dem Start von Circable nahm der Auftragseingang rasch zu. Heute haben wir 50 km auf Lager, das reicht für mehrere Dutzend Aufträge. Allerdings wollen wir sehr schnell in die Industrialisierungsphase kommen, weil ja auch der Bausektor Klimaziele zu erfüllen hat“, unterstreicht Thiriez.
Argumente gibt es reichlich. Die Herstellung neuer Kabel ist sehr CO2-intensiv. Die Wiederverwertung verringert die THG-Emissionen um 90 %. Ein Meter aufgearbeitetes Kabel erspart der Umwelt 3 kg CO2 sowie 56 kg Abfall aus der Kupfergewinnung, 69 m3 Wasserverbrauch und 84 kg Kunststoffabfall. Zudem werden 10 Arbeitsstunden für die Mitarbeitenden im Integrationsbetrieb gesichert.
15/01/2026