Im belgischen Molenbeek wurde der ehemalige Tabakspeicher Saint-Michel zu einem großen flämischsprachigen Schulzentrum. Ein beispielhaftes Umbauprojekt, das Kreislaufwirtschaft, technische Innovationen und Stadterneuerung miteinander vereint.

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Der alte Tabakspeicher Saint-Michel in Molenbeek hat eine spektakuläre Verwandlung durchlaufen. Wo früher Tabakballen gelagert wurden, beherbergt nun ein neues Schulzentrum seit 01.09.2020 über eintausend Schülerinnen und Schüler. Der Kontrast könnte nicht größer sein: „Ein typisches Industriegebäude wurde zu einem offenen, modularen Lernort“, unterstreicht Vito Segers, Projektmanager bei Cegelec HVAC Commercial North (VINCI Energies Building Solutions).
Ausschlaggebend für das Projekt war der dringende Bedarf an flämischsprachigen Schulplätzen in Brüssel. Das weitläufige ehemalige Brüsseler Industriegelände Tour & Taxis (heute ein Zentrum für Lernen, Kunst und Erfahrungsaustausch) befindet sich mitten im Maritime-Viertel, das völlig umgebaut wird. Dort entstehen Projekte wie Tivoli GreenCity oder die Suzan-Daniel-Brücke, und auch der neue Schulcampus soll nach dem Willen der VGC (Vlaamse Gemeenschapscommissie/Flämische Gemeinschaftskommission), den sozialen Zusammenhalt stärken. Auf rund 17 000 m² sanierter Fläche sind dort das Gymnasium „GO! Martha Somers“ und das Imelda-Institut mit 80 Klassen, zwei Sporthallen, Laboren und sogar Spielplätzen auf dem Dach untergebracht.
Enge Fristen
Der Umbau berücksichtigt die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Das Beton-Tragwerk der alten Fabrik wurde erhalten; zwischen den Betonpfeilern entstanden flexibel nutzbare Räume. Cegelec Belgien war mit der HKL- und Sanitärinstallation betraut – angesichts des engen Zeitplans eine riesige Herausforderung. „Wir hatten nicht viel Zeit: Alles sollte im August 2020 in Betrieb gehen“, erläutert Segers. „Im August 2019 haben wir angefangen und mussten unsere Ausführungsplanung in Rekordzeit erledigen. Gleichzeitig brauchten wir genügend Personal, um die Termine einzuhalten.”
„Ein typisches Industriegebäude wurde zum offenen, modularen Lernort.”
Energieeffizienz war das Leitmotiv dieser Baumaßnahme. Die Luftaufbereitungsanlagen umfassen eine Naturkühlung, während die Kältemaschinen mit R1234ze arbeiten, „ein Kältemittel mit einem Treibhauspotential (THP) von 7 – ein sehr niedriger Wert“, unterstreicht Segers. In den Klassenräumen sorgen perforierte Lüftungskanäle für eine gleichmäßige, geräuscharme Belüftung und so für optimalen Komfort beim Lernen.
Der neue Campus wurde gerade rechtzeitig zum Schuljahresbeginn 2020 fertiggestellt und zeigt, wie die Umnutzung von Industriegebäuden den heutigen urbanen Bedürfnissen gerecht werden und gleichzeitig ein Stadtviertel beleben kann. Vom Tabakspeicher zum Lernort: Ein starkes Symbol für die Brüsseler Eigenschaft, sich ständig neu zu erfinden.
Projekt im Auftrag von Vlaamse Gemeenschapscommissie (VGC), GO! Atheneum Caroline Pauwels, Imelda-Instituut
Entwickler: Kairos – Architekt: SumProject, Architecture & Engineering cvba, BURO II & ARCHI+I – Bauunternehmer: BAM Interbuild
16/02/2026