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Die Landwirtschaft verursacht große Mengen an Treibhausgasen. In Anbetracht der Klimakrise wird auch in dieser Branche die Energiewende eingeleitet. Auch wenn die Klimaneutralität lange Zeit in weiter Ferne zu liegen schien, kommen nunmehr konkrete Innovationen zur Verbesserung der Klimabilanz auf den Markt.

Auf dem Versuchsbauernhof im westfranzösischen Derval ist ein etwas anderer Trecker in Betrieb: Der Tractofit‘Elec ist der erste auf Elektro- und Wasserstoffantrieb umgerüstete Traktor. Der Prototyp, entwickelt vom in der französischen Region Vendée ansässigen Vensys-Konzern, zeigt die wachsende Nachfrage nach klimafreundlichen Landmaschinen, um die Energiewende auch in dieser Branche voranzutreiben. Der Tractofit‘Elec ist seit September 2024 im Praxistest. Im Januar 2025 wurde er auf der Pariser Hyvolution-Messe der Öffentlichkeit vorgestellt.

Hintergrund solcher Initiativen ist die Tatsache, dass die Landwirtschaft sehr viele Treibhausgase ausstößt. So stand sie in Frankreich mit 20,6 % vom Gesamtausstoß, das entspricht 77 Mio. t CO2-Äquivalent, an zweiter Stelle nach dem Verkehrssektor. Die Besonderheit: Der Löwenanteil besteht aus Methan (CH4), hauptsächlich aus der Tierhaltung, und Stickstoffdioxid (N2O) aus Düngemitteln. CO2-Emissionen sind im Wesentlichen auf den Betrieb von Landmaschinen mit fossilen Kraftstoffen zurückzuführen. Die Landwirtschaft sticht somit im Hinblick auf die Klimaproblematik heraus: Eine völlige Klimaneutralität ist schwer zu bewerkstelligen, aber gleichzeitig geht es nicht ohne. Deshalb tut eine Transformation not.

Mehrere Möglichkeiten für mehr Klimaschutz

Die Landwirtschaft reagiert und strebt eine systemische Transformation an, die mehrere Möglichkeiten für mehr Klimaschutz nutzt: Angefangen bei einer höheren Energieeffizienz der Betriebe und der Umstellung von Landmaschinen auf Elektroantrieb bis hin zu alternativen Kraftstoffen wie Wasserstoff oder Biogas“, erläutert Valentine Salomon, Hydrogen & Renewable Gas Market Manager bei Actemium, der Industriemarke von VINCI Energies. „Im Trend liegen auch die Entwicklung präziserer, computergestützter Anbaumethoden mit optimiertem Wasser-, Dünger- und Energieeinsatz, die Verwertung landwirtschaftlicher Abfälle in Biogasanlagen und die Gewinnung erneuerbarer Energie, beispielsweise mit der Agri-Photovoltaik.”

„Die Landwirtschaft strebt eine systemische Transformation an.”

Unternehmen wie Actemium flankieren diese Transformationen mit maßgeschneiderten technischen Lösungen. Etwa Automatisierungssystemen zur Optimierung des Wasser- und Ressourceneinsatzes, welche die Emissionen senken und gleichzeitig die Erträge erhöhen. „Actemium verfügt auch über das notwendige Know-how zur Durchführung von Energieaudits mit dem firmeneigenen Tool „Quick Scan Energy“. Damit verbessert sich die Energieeffizienz der Anlagen“, so Salomon weiter.

Von der Abfallverwertung zum Wassermanagement

Die Abfallverwertung ist ebenfalls ein Entwicklungsschwerpunkt bei Actemium. So entwickelt beispielsweise Méthalac, eine Business Unit aus dem Actemium-Netzwerk, Biogasanlagen zur Verwertung von landwirtschaftlichen Abfällen. Das erzeugte Gas wird dann mittels Kraft-Wärme-Kopplung zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt oder in das Erdgasnetz eingespeist.

Zu nennen wäre auch Lexem, eine Business Unit von VINCI Energies, die auf Wassermanagement spezialisiert ist. Für die Firma „Maître Prunille“, die im südwestfranzösischen Agen Backpflaumen und Trockenobst herstellt, hat sie eine Roboterinsel konzipiert, mit der die in großen Palox-Kisten angelieferten frischen Früchte in ein Wasserbad geschüttet werden. Weil der Roboter sehr präzise arbeitet, schwappt wesentlich weniger Flüssigkeit über und der Kunde spart während der acht Erntewochen etwa 30 bis 40 % Wasser.

Omexom, die Energieinfrastrukturmarke von VINCI Energies, ist mit der Installation von PV-Anlagen im ländlichen Raum an der Energiewende beteiligt. 2021 hat Omexom RE Solar in Bioule, einem südwestfranzösischen Ort mit 1.150 Einwohner:innen, mehr als 30.000 PV-Module auf einer Fläche von 17 Hektar installiert. Die Leistung beläuft sich auf 13,45 MW. Ein junger Landwirt nutzt das Gelände als Weide für 160 Schafe.

Umdenken in der landwirtschaftlichen Produktion

Diese Projekte verbinden technologische Innovation, ökologische Effizienz und wirtschaftliche Rendite, um die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Auch wenn der Sektor, für sich allein genommen, nie klimaneutral wirtschaften können wird, sind Verbesserungen unabdingbar. Dabei geht es nicht nur um die Senkung der eigenen Emissionen, sondern auch um CO2-Speicherung, die Erzeugung erneuerbarer Energie und die Anpassung an den Klimawandel.

Für die Dekarbonisierung der Landwirtschaft gibt es kein Patentrezept, sondern es braucht eine Vielzahl an abgestimmten Initiativen, die zu einem Umdenken bei den Anbaumethoden, bei der Maschinentechnik und in der Produktion beitragen. Industrie und Technikfirmen können hier einen wesentlichen Beitrag leisten.

15/01/2026