Öffentliche Schwimmbäder sind für eine Region von entscheidender Bedeutung. Hohe Energiepreise und Klimakrise werden jedoch zunehmend zur Herausforderung. VINCI Energies hat das Know-how, um diese Einrichtungen behindertengerechter, nachhaltiger und intelligenter zu machen.

In Bredene im flämischen Landesteil von Belgien entsteht derzeit ein neues Schwimmbad. Mit seinen 3.000 m² wird es eines der größten belgischen Bäder ganz ohne Gasanschluss. Der Energiebedarf ist nur halb so hoch wie bei herkömmlichen Einrichtungen dieser Art. Möglich wird dies durch 761 Solarmodule, aber auch durch eine geothermische Bohrung bis in 1.250 m Tiefe, über die 30-35°C warmes Wasser nach oben gefördert wird.
Die Infrastruktur ist Teil eines ehrgeizigen Programms, das die lokale Regierung im März 2025 aufgelegt hat: Es sollen 40 neue öffentliche Schwimmbäder gebaut werden, klimaneutral und behindertengerecht.
„Viele flämische Bäder wurden zwischen 1960 und 1970 gebaut. Sie verbrauchen sehr viel Energie und sind oft sanierungsbedürftig“, erläutert Bart Schurmans, Business Unit Manager von Cegelec HVAC Public North. Genauso wie das hochmoderne Bad in Bredene sollen alle neuen Schwimmbäder ausschließlich Strom als Energieträger nutzen.
Mit zahlreichen Energiesparmaßnahmen können Schwimmbäder heutzutage auf Effizienz getrimmt werden: Hochleistungslüfter mit Wärmepumpen, Kraft-Wärme-Kopplung, Brennwertkessel. Und natürlich neue Systeme zur Wasseraufbereitung.
Wasserqualität und Wasserrecycling
Ein weiteres wichtiges Thema in einem Schwimmbad ist nämlich die Qualität und Wiederverwendung des Wassers. Laut Grégory Laurent, Sector Manager bei VINCI Facilities TS South und im wallonischen Teil Belgiens tätig, sind gesetzlich 30 Liter Frischwasser pro Badegast und Tag vorgeschrieben. Zuvor wurde das „verbrauchte“ Wasser lediglich in Grauwasserbecken aufgefangen, gefiltert und für die Flächenreinigung, die Toilettenspülung und die allgemeine Instandhaltung benutzt.
Neuerdings kommt es auch für die Heizung zum Einsatz: Ein Wärmetauscher entzieht ihm die noch enthaltene Energie, bevor es im Pufferbecken für Grauwasser landet. Dank neuer, leistungsfähigerer Filtersysteme können 70 % des aufgefangenen Wassers direkt in den Kreislauf zurückgespeist werden.
„Für den Bau oder die Sanierung eines Schwimmbades braucht es zahlreiche Fachkompetenzen: Medienversorgung, Hydraulik, Chemie und Tiefbau.”
Wasserqualität ist auch das Fachgebiet von Franck Mougin, Projektleiter bei VINCI Facilities Franche-Comté und Experte für Keramikfiltration. Bei dieser neuen, osmoseähnlichen Technik kommen Siliziumkarbidmembranen zum Einsatz. Das führt nicht nur zu durchgehend kristallklarem Wasser für die Badegäste, sondern spart zudem Energie und Bauraum. Außerdem sind solche Filter deutlich langlebiger.
Arnaud Christien, Projektleiter bei Tunzini Océan Indien, setzt hingegen auf den Tausch der alten Sandfilteranlagen gegen Perlitfilter: „Das spart wöchentlich zwischen 30 und 40 m3 Wasser, die früher einfach in die Kanalisation liefen. Wir setzen auch Elektrolyseure ein, die in Verbindung mit Kochsalz eine Chlorlösung erzeugen. Das vermeidet Lagerung, Handhabung und Transport von Chlorgranulat oder -tabletten auf der Insel La Réunion. Bei einem Elektrolyseur kommt nur Kochsalz zum Einsatz. Das ist umweltfreundlicher und besser für die Gesundheit des Personals.“
Knackpunkt Zugänglichkeit
Schwimmbäder sind sehr techniklastig, die erforderlichen Qualifikationen allerdings dünn gesät (siehe Kasten). „Für den Bau oder die Sanierung eines Schwimmbades braucht es zahlreiche Fachkompetenzen: Medienversorgung (Wasser, Druckluft), Hydraulik, Chemie, Tiefbau, Automatisierungstechnik“, unterstreicht Christien. Diese Kompetenzen müssen zusammenwirken, um ökologische, ökonomische, aber auch volksgesundheitliche Fragestellungen zu lösen.
In Flandern ist die Behindertenfreundlichkeit wichtiger Bestandteil des Lastenhefts. Die belgische Region baut weitere Schwimmbäder zu, „denn bisher gibt es nicht genug Bäder für alle“, bemerkt Schurmans.
Das gilt auch für Frankreich. Im Rahmen eines vom französischen Ministerium für Sport, Jugend und Vereinsleben aufgelegten Schwimmlern-Programms zur Verhütung von Badeunfällen bauen oder sanieren insbesondere ländliche Gemeinden entsprechende Einrichtungen. Bald soll möglichst jede Bürgerin und jeder Bürger ein Schwimmbad in der Nähe haben. Auf der Insel La Réunion ist die Herausforderung riesengroß: „In den Gebirgsregionen können 7 von 10 Kindern nicht schwimmen“, unterstreicht Christien.
Deshalb wurde zum Beispiel das Gemeindeschwimmbad von Salazie im Zentrum der Insel gebaut. Das Wasser wird von Sonnenkollektoren auf dem Dach ganzjährig auf 27°C erwärmt. In den Augen des Projektleiters von Tunzini Océan Indien sind Schwimmbäder ein Zukunftsmarkt. Dabei geht es nicht nur um Schwimmkurse für Kinder, sondern auch um das Wohlbefinden einer alternden Bevölkerung und die Möglichkeit, sich Abkühlung zu verschaffen. Allerorten ist eine Art „Schwimmbad-Revolution“ im Gange, um den öffentlichen Bedarf mit der ökologischen Wende in Einklang zu bringen.
Wichtige Kompetenzen
Der Einsatz dieser neuartigen Technologien hat allerdings einen Haken: Die Suche nach qualifiziertem Instandhaltungspersonal gestaltet sich schwierig, wie Grégory Laurent von VINCI Facilities TS South berichtet. Die Zukunft des nachhaltigen Schwimmbades setzt demnach die Qualifizierung des Personals voraus, die teilweise über die VINCI Energies-Academies geleistet wird. „Es ist ein komplexer Beruf, für den es keinen Ausbildungsgang gibt“, bemerkt Arnaud Christien von Tunzini Océan Indien. Er ist selbst Autodidakt und zieht sein Wissen aus zahlreichen Baumaßnahmen, Gesprächen mit lokalen Betreiber:innen, Herstellerfirmen und Ingenieurbüros für Wasseraufbereitungssysteme.
15/01/2026