Um aus dem reinen Start-up-Bereich herauszukommen und sich vom Innovationsspezialisten zum echten Industrieunternehmen zu entwickeln, ist ein Proof of Concept erforderlich. Dieser muss bestimmte Anforderungen erfüllen.

Derzeit kennt man den POC (Proof of Concept) noch aus der Welt der Start-ups, auch wenn er sich langsam, aber sicher auch in der Industrie etabliert. Dies hat auch seinen Grund: Bei einem POC wird eine Innovation im Maßstab 1:1 getestet, die man sich spontan gar nicht vorstellen kann. So wird die Planungsphase mit der operativen Umsetzungsphase verbunden. Ergebnis: eine funktionierende Innovation, die es schneller bis zur Serienreife schafft.

„Der POC ist keine Zauberformel. Prototyping heißt nicht, dass aufs Geratewohl getestet wird.”

Was jedoch für ein agiles Start-up eine Methode ist, um die Umsetzbarkeit strategischer Intuitionen schnell und günstig zu validieren, erfordert im industriellen Maßstab einen umfangreicheren, komplexeren Prozess und ein enger gefasstes Lastenheft.

Der POC ist keine Zauberformel“, warnt Thomas Leseigneur, Leiter für Innovation bei Actemium, der Marke von VINCI Energies für Industrielösungen. „Prototyping heißt nicht, dass aufs Geratewohl getestet wird. Bevor man irgendetwas anfängt, muss der Bedarf genau umrissen werden, und das gilt sowohl für die Nachfrage am Markt als auch für die operative Machbarkeit. Man sollte schon wissen, wohin man will und welches Ergebnis erwartet wird.“

Die Durchführung eines POC unterliegt also einigen Vorbedingungen: Begrenzung auf einen „machbaren“ Bereich (Datenvolumen, Funktionen und beteiligte Personen), Festlegung von Leistungskennzahlen, die alle Beteiligten akzeptieren und ggf. Einbindung der IT-Abteilung und der verschiedenen Geschäftsfelder des Unternehmens in den Prozess. Die Projektleiter können sich so bereits im Vorfeld mit der IT über Integrationsfragen abstimmen und vermeiden technische Hindernisse bei der Implementierung. Und welche besseren Schiedsrichter kann es geben als die Manager der verschiedenen Geschäftsfelder, um Szenarien und operative Weichenstellungen zu validieren?

Zusammenarbeit und Überwindung des Silodenkens

„Der kollaborative Ansatz ist wahrscheinlich die beste Erfolgsgarantie für einen POC“, erklärt Leseigneur weiter. „Dabei geht es darum, die richtigen Daten vom richtigen Ort zu bekommen, die Geschäftsfelder und Funktionen zu kennen, die direkt an der operativen Umsetzung und zukünftigen Entwicklung beteiligt sind und den Beitrag dieses oder jenes Geschäftsfeldes zum innovativen Wirtschaftsmodell zu umreißen. Das alles funktioniert sowohl zeitlich als auch vom Arbeitsaufwand her nur dann optimal, wenn man das Silodenken überwindet.“

Auch wenn der POC kein Allheilmittel sein kann, so ist er doch ein gutes Instrument, um eine große Herausforderung für Industrieunternehmen in Angriff zu nehmen: die digitale Transformation. Letztendlich geht es darum, große Themenkomplexe anzugehen, die über rein technische Aspekte hinausreichen.

Für den Leiter für Innovation bei Actemium ist dabei übrigens der bedeutendste Schritt der Integratoren der Übergang vom POC zum POV – dem Proof of Value. „Nehmen wir beispielsweise Lösungen zur Verwertung industrieller Daten“, illustriert Leseigneur. Heute wissen wir, dass das funktioniert. Daten erfassen, weiterleiten, speichern, verarbeiten: All das ist technologisch heutzutage kein größeres Problem mehr. Deshalb bringt ein Proof of Concept in diesem Bereich nicht viel. Wenn man allerdings nachweisen kann, dass ein Konzept einen Mehrwert generiert, ist das ein wesentlicher Innovationsschritt.“

17/01/2019