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Der Großraum La Rochelle an der französischen Atlantikküste möchte bis 2040 das Ziel Null Nettoemissionen erreichen. Grundlage dafür ist die einzigartige Datenplattform „Terreze“, deren technische Basis von Citeos entwickelt wurde.

Das Projekt „La Rochelle Territoire Zéro Carbone“ (LRTZC) wurde im November 2018 neben 23 weiteren Bewerbungen im Rahmen der Ausschreibung „Territoires d‘Innovation“ von der Banque des Territoires (öffentliche Bank für Regionalförderung) ausgezeichnet. Der Stadtverband La Rochelle mit seinen 28 Kommunen, 167.000 Einwohner:innen, 12.200 Unternehmen und 70 Küstenkilometern verfolgt ehrgeizige Ziele: Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß um 30 % sinken, und bis 2040 will man die erste klimaneutrale französische Metropole sein.  Für das Programm wurde ein entsprechendes Budget geplant: 82 Millionen Euro, davon 7,7 Millionen staatliche Zuschüsse im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms (PIA).

Beim LRTZC-Projekt wurde von Anfang an die regionale Digitalisierungsstrategie mitgedacht. Als Pionierin in Sachen Datenzugänglichkeit legte La Rochelle bereits 2012 eine Politik zur Offenlegung öffentlicher Daten auf opendata.agglo.larochelle.fr. 2016 verabschiedete sie eine Digitalisierungsstrategie mit drei Schwerpunkten: Ständige, wirtschaftlich tragfähige und nachhaltige Innovation, gemeinsame Projekterarbeitung und partizipative Stadtverwaltung, ordnungsgemäßes Management personenbezogener Daten.

Auch bei der Entwicklung von Terreze (Territoire Zéro Carbone, Region ohne CO2), der Plattform zur Lenkung, Kommunikation und Messung von Dekarbonisierungsmaßnahmen in der gesamten Region, wurden diese Grundsätze berücksichtigt. Dieser zentrale digitale Baustein, für den über sechs Jahre hinweg 4,7 Mio. Euro zur Verfügung standen, wurde von drei Unternehmen entwickelt: Citeos programmierte die technische Basis, Onepoint das Front Office und Citeos/FieldBox.ai kümmerte sich um die Use Cases.

Drei wesentliche Ziele

Die Plattform erfüllt drei wesentliche Ziele. Sie soll zunächst regionale Daten produzieren, erfassen sowie stichhaltig und angemessen verarbeiten, um damit die Entwicklung des CO2-Ausstoßes in verschiedenen Bereichen (Energie, Mobilität, Industrieökologie, Abfallwirtschaft usw.) zu steuern. Sie ist also ein Beobachtungs-, Entscheidungs- und Handlungstool. Anhand dieser in unterschiedlichen Formaten (Zahlen, Karten, Satellitenbilder) vorliegenden Daten erzeugt sie Referenzdateien und Dashboards zur datengesteuerten Projektlenkung.

„Zur Lenkung der regionalen Klimastrategie hat sich die Stadt La Rochelle mit einer offenen, energiesparenden und verantwortungsbewussten Datenplattform ausgestattet.”

Eine weitere Funktion von Terreze: das Monitoring der Kennzahlen sowie die Optimierung der Entscheidungshilfe-Tools und der innovativen Wirtschaftsmodelle, die in Zukunft implementiert werden sollen. Last but not least soll die Plattform sämtliche Beteiligten mit Daten versorgen, die sie dann gemeinsam und verantwortlich nutzen.

Öffentliche Daseinsvorsorge

Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir in der Lage sein, eine Bestandsaufnahme der regionalen Daten durchzuführen und im gegenseitigen Austausch neue, mehrwertorientierte Möglichkeiten zur Datennutzung identifizieren, unterstützen und fördern“, unterstreicht Latifa Noamen, Projektleiterin bei Citeos, der Fachmarke von VINCI Energies Frankreich für innovative urbane Lösungen. „Aber wir müssen auch über die Bereitstellung dieser Daten im Sinne der öffentlichen Daseinsvorsorge nachdenken, damit sie allen Beteiligten in der Region zur Verfügung stehen – Bürger:innen, Vereinen, Unternehmen, Behörden). Dabei sind natürlich die allgemeinen Regeln im Bereich Compliance und zum Schutz der Privatsphäre einzuhalten.”

Aus diesem Grund werden die Daten überprüft, verarbeitet und anonymisiert. Nach ihrer Speicherung im Rahmen einer Nutzungslizenz und Smart Contracts zur Gewährleistung ihrer Sicherheit und Vertraulichkeit können sie genutzt und geteilt werden.

LRTZC stellt für die Stadt La Rochelle und ihr Umland ein echtes Großprojekt dar. Deshalb stützt sich die Verwaltung auf weitere Ansprechpartner:innen in der Region: Universität und Seehafen La Rochelle, Cerema, Atlantech, Ifrée und LPO. Außerdem beteiligt sind Geldgeber:innen und Finanzpartner:innen wie die Region Nouvelle-Aquitaine, die Banque des Territoires, die Industrie- und Handelskammer, INRAE, ENEDIS und CEA. Insgesamt gut dreißig Behörden, Unternehmen und Verbände, die für die Plattform die Einhaltung des Standards „AFAQ Eco-conception“ (Niveau „Exemplaire“) einforderten.

Die Terreze-Plattform verkörpert auch die Werte des LRTZC-Projekts. Sie wurde nach ökologischen Grundsätzen geplant und nutzt technisch und funktional offene, energiesparende, sichere, zugängliche und skalierbare Komponenten. Die erfassten Daten sind zweckdienlich, transparent, sicher und achten die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger. Durch den Schutz personenbezogener Daten möchte man das Vertrauen zwischen der Region und ihren Bewohner:innen stärken.

„Terreze ist nicht nur aufgrund der Vollständigkeit der analysierten, verarbeiteten und zur Verfügung gestellten Daten einzigartig. Die Plattform wurde auf einen möglichst energiesparenden Betrieb ausgelegt.  Ihre Kohlenstoffbilanz ist Teil der Kennzahlen für die Projektsteuerung“, fasst Noamen zusammen. Derzeit laufen die Beta-Tests mit einer begrenzten Useranzahl. Ab 2024 wird die Plattform der Allgemeinheit zugänglich sein.

17/07/2023