Der Gebäudewirtschaft kommt beim Kampf gegen die Erderwärmung eine besonders bedeutende Rolle zu. Gleichzeitig zeigt die Branche die enge Verbindung zwischen Investitionen in die Digitalisierung und dem Umweltschutz.

Der Gebäudebestand beansprucht für sich 44 Prozent der in Frankreich konsumierten Energie, was weit mehr als der Verbrauch im Verkehrssektor (31,3 Prozent) bedeutet. Mit über 123 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr ist er aber auch eine der wichtigsten Stellschrauben im Kampf gegen die Erderwärmung.

Der Trend zum „sauberen“ Gebäude ist übrigens nicht neu. Die französische Gesetzgebung schreibt seit 2012 vor, den Primärenergieverbrauch von Neubauten auf höchstens 50 kWh pro Quadratmeter und Jahr zu beschränken, dreimal weniger als noch 2005. Das macht die französische Energieeinsparverordnung zu einer der strengsten Europas.

Durch die Entwicklung immer intelligenterer digitaler Netze wird die Gebäudewirtschaft zu einem entscheidenden Faktor der Energiewende.

Mittels Digitalisierung können die Emissionen kontrolliert und weiter reduziert werden. „Die Digitalisierung ermöglicht die gemeinschaftliche Nutzung von Infrastrukturen und Anlagen sowie die Zusammenführung in offenen Systemen. So gibt es weniger Dopplungen, die stets zu mehr Kosten, höherem Verbrauch und größeren Umweltauswirkungen führen“, erklärt Sébastien Matrat, Geschäftsführer von Greenaffair.

Durch die Entwicklung immer intelligenterer digitaler Netze wird die Gebäudewirtschaft zu einem entscheidenden Faktor bei der Energiewende. Solche Netze gibt es bereits auf allen Ebenen: Stromversorgung, IT, Lichttechnik, Überwachungssysteme, Heizungs-, Lüftungs- und Klimasteuerung usw.

Diese digitalen Netze werden von Sensoren in den Räumen flankiert und können mittels Smartphone-Apps gesteuert werden, dennoch handelt es sich dabei nicht um reine Komfortfunktionen. Hauptsächlich geht es nämlich um die Energiebilanz des Gebäudes. Energieverbrauch, CO2-Konzentration, Wasserverbrauch, Abfall, Luftqualität, Luftfeuchtigkeit, Temperatur: Digitale Technik misst, analysiert und reguliert die Umweltauswirkungen des Gebäudes bei allen Alltagsfunktionen.

„Building to Grid“ als das Gebäude von morgen

Ein Sensor misst eine unnötig hohe Temperatur in einem bestimmten Raum? Die IT alarmiert automatisch eine Kontrollplattform, die wiederum einen Techniker schicken kann. Die lange Stille zwischen zwei Geräuschen zeigt, dass ein Besprechungszimmer nur selten genutzt wird? Das System reduziert den Energieverbrauch und sorgt dafür, dass der Raum seltener gereinigt wird.

Noch besser: Dank digitaler Tools kann das Gebäude bald schon direkt in die Netzstabilisierung einbezogen werden. „Wenn wir mit dem Building to Grid sicherstellen wollen, dass das Gebäude in Zukunft mit den öffentlichen Versorgungsnetzen kommuniziert, braucht es schon jetzt intelligente Systeme, sowohl im Betrieb als auch bei der Planung“, unterstreicht Matrat.

Der effektive Beitrag der Gebäudewirtschaft zur Abschwächung der Erderwärmung ist umso dringender, als der Druck mit der neuen, ab 2020 geltenden französischen Energieeinsparverordnung weiter steigen wird. Sie führt das „Plusenergiehaus“ ein, das seinen Verbrauch für Heizung, Lüftung, Klimatisierung, Beleuchtung und Warmwasser völlig kompensiert. Langfristig werden zu diesen fünf Bereichen zwei weitere, sehr energieintensive Anwendungen hinzukommen: IT und Stromtankstellen für Elektroautos.

17/01/2019