VINCI Energies Building Solutions hat sich mit der Frage der „HKL von morgen“ befasst. Im Spannungsfeld zwischen Klimakrise, regulatorischem Druck und geopolitischen Unsicherheiten sind energiesparende Heizungs-, Klimatisierungs- und Lüftungslösungen gefragter denn je, doch die jeweiligen Vor- und Nachteile wollen sorgfältig abgewogen sein. Hybrid- und Low-Tech-Lösungen setzen sich durch.

Wärmeisolierte Fassaden mit Luftaufbereitungssystemen, Baustoffe mit hoher thermischer Trägheit (Ziegel, klimafreundlicher Beton), wenig Glasflächen, Sonnenschutz und Außenjalousien, Deckenventilatoren in Innenräumen, Fußbodenheizungen im Estrich, luftgekühlte Klimadecken –
während die thermische Resilienz von Gebäuden immer stärker in den Vordergrund rückt – Stichwort Treibhausgasemissionen und Energiesparen – bietet die Baubranche zunehmend Lösungen für effizientere Gebäudekonzepte an.
Insbesondere Klimaanlagen sind Eigentümer:innen und Betreiber:innen ein Dorn im Auge, denn sie verbrauchen Energie, heizen die Außenluft in unseren Innenstädten weiter auf und verschärfen so das Phänomen der urbanen Wärmeinseln. Die französische Umweltagentur ADEME schätzt, dass im Jahr 2021 Klimaanlagen knapp 5 % der CO2-Äquivalent-Emissionen des französischen Gebäudebestands verursachten.
Alternative Kühlsysteme
In den letzten Monaten wurden die Fassaden und Innenräume mehrerer großer Dienstleistungsstandorte im Großraum Paris mit „alternativen“ Kühlsystemen ausgestattet, etwa der grEEn-Campus Stellantis in Poissy und das „Le Cologne“-Hochhaus in Rungis – ein großer Schritt auf dem Weg zur „sparsameren“ HKL (Heizung, Klima, Lüftung).
Aber auch wenn derartige Initiativen das Umdenken in der Branche beschleunigen mögen, sind noch immer gewisse Leitlinien erforderlich. Deshalb hat sich VINCI Energies Building Solutions gemeinsam mit der Beratungsfirma Impulse Partners mit der Frage befasst, wie die „KHL von morgen“ aussehen könnte.
„Es geht dabei um eine qualitative Grundlagenstudie, für die wir zahlreiche Unternehmer:innen und Fachleute von VINCI Energies sowie anerkannten Institutionen wie der ADEME interviewt haben. Wir wollten die internen Erwartungen abfragen, die verfügbare Technik erfassen sowie Zukunftsszenarien und wesentliche Trends im Hinblick auf die Entwicklung des Marktes und der Bedürfnisse von Auftraggeber:innen und Nutzer:innen aufzeigen“, erläutert Vincent Deyme, Leiter Energieprojekte bei VINCI Energies Building Solutions.
„Vorschriften und Technik verändern sich, und deshalb brauchen die Kund:innen Unterstützung von A bis Z bei ihren Projekten: Von der Bestandsaufnahme über die Installation und die Ermittlung der Energieeffizienz bis hin zur Steuerung und Instandhaltung der Systeme“, fügt Michel-André Tirat hinzu, Unternehmensbereichsleiter bei VINCI Energies und Moderator des frankreichweiten Clubs Klimatechnik. „Bei der Klimatechnik ist jedes Projekt einzigartig. Von uns als Fachfirma erwarten die Kund:innen gute Ideen und Vorschläge. Das erfordert Planungskompetenz sowie fundierte Markt- und Technikkenntnisse.
Kaltwasser oder Direktexpansion?
Die Studie von VINCI Energies Building Solutions zeigt, dass die Zukunftsvisionen von Angeboten und Berufsbildern im KHL-Bereich stark von einer Reihe von Parametern abhängen: mehr Sanierung im Bestand (mit allen damit einhergehenden Problemen), zunehmender ökologischer Druck, geänderte Prioritäten in Sachen Energieverbrauch, Kompetenztransfer, neue Anforderungen von Kundenseite. Werden beispielsweise die heute eingesetzten Verfahren auch morgen noch im selben Umfang genutzt?
Die so genannten „Kaltwassersysteme“ stellen heute eine zuverlässige, energieeffiziente Lösung für große Gebäude dar, insbesondere solche mit Publikumsverkehr. Diese Technik beruht auf einer zentralen Kälteproduktion und setzt auf die Verteilung von Kalt- oder Warmwasser über entsprechende Rohrleitungsnetze.
„Die Vorschriften werden strenger, der Klimawandel verschärft sich, die geopolitischen Entwicklungen sind unvorhersehbar.”
Die zweite dominante Technik setzt auf „Direktexpansion“ und wird in etwa 60 % aller Dienstleistungsgebäude eingesetzt, insbesondere bei kleinen und mittelgroßen Flächen. Es handelt sich hierbei um einen thermodynamischen Prozess, bei dem ein Wärmeträger im flüssigen Aggregatzustand die Wärme der Innenluft aufnimmt, dann in einem Wärmetauscher gasförmig wird und so die Energie nach draußen abgibt.
Das Problem dabei: „Die in Direktexpansionssystemen eingesetzten Gase stehen aufgrund ihres Treibhauspotentials (GWP) und/oder ihrer Entflammbarkeit unter gesetzlicher Beobachtung“, erläutert Deyme.
Low Tech hat Zukunft
Vor diesem Hintergrund wird vermehrt auf Low-Tech-Lösungen gesetzt. Nächtliches Lüften, Free Cooling, Erdwärmetauscher, Trombe-Wände, Gebäudebegrünung, Optimierung der thermischen Trägheit, Hochleistungsverglasungen, Infiltration, reflektierende Beschichtungen: Alles Techniken, die bereits erprobt sind und auf Grundlage des gesunden Menschenverstands funktionieren.
Unter den erfolgversprechendsten passiven Systemen sind Phasenwechselmaterialien in Wänden, Decken oder Paneelen, die Wärme speichern und wieder abgeben. Das stabilisiert die Raumtemperatur und begrenzt den Einsatz von aktiven Systemen.
Die Studie von VINCI Energies Building Solutions zeigt neben der Notwendigkeit gebäudespezifischer Abwägungen die Stichhaltigkeit möglichst agiler Hybridlösungen auf.
„Die Vorschriften werden strenger, der Klimawandel verschärft sich, die geopolitischen Entwicklungen sind unvorhersehbar. Angesichts so vieler Unwägbarkeiten sind wir von einem Grundsatz überzeugter denn je: Man darf nicht nur auf ein Pferd setzen“, unterstreicht Deyme.
13/07/2026