Modernisierung des schwedischen Stromnetzes in unwegsamer Umgebung
Lesezeit: 4 min.
In den Schären vor Göteborg übernimmt Omexom die Steuerung von drei der vier Bauabschnitte eines umfassenden Modernisierungsprojekts im Auftrag des Netzbetreibers Ellevio. Projektziel ist die tiefgreifende Umgestaltung und Ertüchtigung des lokalen Veteilnetzes bis 2028, um es an den langfristigen Energiebedarf der Region anzupassen.

©VINCI Energies
Omexom, die Energieinfrastrukturmarke von VINCI Energies, ist mit einem Großauftrag im Rahmen des Tjörn-Projektes betraut worden. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches Modernisierungsprogramm des lokalen Verteilnetzes in den Schären vor Göteborg. Auftraggeber ist Netzbetreiber Ellevio. Die Business Unit übernimmt drei von vier Bauabschnitten (Ost, Nord und Süd), das Gesamtvolumen beläuft sich auf über 75 Mio. Schwedische Kronen (rund 7 Millionen Euro).
Das Großprojekt sieht den Aufbau eines komplett neuen Verteilnetzes für die Kund:innen in der Region vor, bevor die alten Freileitungen demontiert werden. Insgesamt umfassen die Arbeiten etwa 75 km Gräben, Unterseekabel und Freileitungsstrecken auf die Inseln. Hinzu kommen 74 Schaltanlagen.
Für Robert Lindhe, Hauptprojektleiter bei Omexom in Schweden, ist dieser Auftrag ein Zeichen für das große Vertrauen des Netzbetreibers. „Wir werden in dem betroffenen Gebiet das komplette Mittel- und Niederspannungsnetz neu bauen. Planung und Vorbereitung laufen bereits. Wir hoffen, dass wir ab Herbst 2026 mit den Bauarbeiten beginnen können. Der Auftrag dürfte bis Sommer 2028 abgeschlossen sein.”
Kompetenzen gemeinsam nutzen
Das Projekt wird von der Unternehmenseinheit Sweden Local Grid geleitet und gemeinsam von den Büros Karlstad und Nässjö durchgeführt. „Für die Projektorganisation kombinieren wir internes mit externem Personal“, erläutert Lindhe. „Wir stellen die Projektleiter:innen, die technischen Planer:innen, die Sachbearbeiter:innen, Monteur:innen, Bauarbeiter:innen sowie verschiedene Baumaschinen.”
„Die derzeitigen Trafostationen sind veraltet, das Netz besteht hauptsächlich aus Freileitungen.”
Durch diese gemeinsame Nutzung von Kompetenzen gewährleistet Omexom die effiziente Koordination der verschiedenen Ressourcen, um dieses umfangreiche, technisch komplexe Projekt zu bewältigen und gleichzeitig eine tadellose Bauausführung sowie die Einhaltung des Terminplans sicherzustellen.
Technische und ökologische Herausforderungen
Das Tjörn-Projekt umfasst gleich mehrere große Herausforderungen. „Das von uns neu zu errichtende Stromnetz ist in mehrere, nicht miteinander verbundene Bereiche aufgeteilt, was eine stringente Planung erforderlich macht“, unterstreicht Lindhe. Hinzu kommt das unwegsame Gelände: Das Projekt betrifft die Insel Tjörn, die der Stadt Göteborg vorgelagert ist. Sie ist größtenteils bergig, und die erheblichen Höhenunterschiede erschweren den Zugang.
Die Einbindung mehrerer weiterer Inseln verkompliziert die Bauarbeiten zusätzlich. Omexom ist nicht nur auf Tjörn tätig, sondern auch auf mehreren kleineren Schäreninseln im Bohuslän. Material, Baumaschinen und Personal müssen deshalb jeden Tag per Schiff an- und abtransportiert werden.
Umweltauflagen spielen eine wesentliche Rolle. „Im Küstenbereich können die Bauzeiten durch nistende Brutvögel oder durch Algenblüten eingeschränkt werden“, unterstreicht der Projektleiter. Außerdem müssen für das Projekt zahlreiche Kabelkanäle verlegt werden, was die technische Komplexität weiter erhöht.
Strategische Bedeutung
Über alle diese Herausforderungen hinaus ist das Projekt für die gesamte Region von großer strategischer Bedeutung. „Die derzeitigen Trafostationen sind veraltet, das Netz besteht hauptsächlich aus Freileitungen“, erläutert Lindhe. „Durch das Projekt möchte der Netzbetreiber die Versorgungssicherheit erhöhen, Stromschwankungen abstellen und die Übertragungskapazität erhöhen. Deshalb werden die Schaltanlagen ausgetauscht und so viele Freileitungen wie möglich durch Erdkabel ersetzt.”
Durch die grundhafte Modernisierung der vorhandenen Infrastruktur trägt das Tjörn-Projekt zum Aufbau eines robusteren und nachhaltigeren Stromnetzes bei, das dem zukünftigen Energiebedarf der Region gerecht wird.
10/09/2926