Das Städtebauprojekt rund um den Pariser Bahnhof Gare d‘Austerlitz bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, entspricht den neuesten Umweltstandards und soll im ersten Quartal 2027 fertiggestellt sein. VINCI Energies ist mit sechs Business Units an diesem ungewöhnlichen Bauvorhaben beteiligt.

Seit einigen Jahren wird auch bei Dienstleistungsgebäuden eine zunehmend breitere Funktionspalette angestrebt. Allerdings gibt es derzeit nur wenige Bauprojekte, die auf eine echte Mischnutzung ausgerichtet sind.
Das Projekt „Austerlitz A7A8“, das derzeit am linken Pariser Seineufer entsteht, ist dadurch umso außergewöhnlicher. Projektträger ist Kaufman & Broad, mit der Ausführung wurde VINCI Construction beauftragt.
Normen und Auflagen
Anfang 2027 wird Paris ein neues Stadtviertel haben: 50.000 m² Bürofläche für die französische Entwicklungshilfeagentur (AFD), ein Vier-Sterne-Hotel mit 210 Zimmern, gut 220 Sozialwohnungen, Kurzzeitwohnungen und Studentenunterkünfte, 4.000 m² Räumlichkeiten für die SNCF, über 8.000 m² Grünflächen, 16.000 m² Ladenlokale in Richtung Innenstadt, 426 m² Vereinsräume, ein Hörsaal mit 195 Plätzen, ein 2.300 m² großes, gemeinsam genutztes Logistikzentrum für Anlieferung und Abfallentsorgung, ein öffentliches Parkhaus mit Kurzzeitparkzone (Kiss & Ride), eine PV-Anlage mit 3.200 m² Fläche (eine der größten privaten Anlagen dieser Art in Paris).
Das Projekt erfüllt strenge Umweltauflagen: Die Baustoffe wurden nach ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt und tragen das „Biosourcé“-Label, außerdem ist wurde das neue Stadtviertel aufgrund der Gärten und Gründächer mit dem BiodiverCity-Zertifikat ausgezeichnet.
Die Büroimmobilien sind HQE/BREEAM-zertifiziert und erreichen die Stufe „exzellent“. Die PV-Dachanlage auf der neuen Hauptverwaltung der französischen Entwicklungshilfeagentur produziert grünen Strom für den Eigenverbrauch. Das Gebäude ist energieeffizienter als die meisten anderen Bürohäuser der letzten zwanzig Jahre.
„Das Projekt stellt uns vor zahlreiche technische Herausforderungen, insbesondere aufgrund des nahen Seine-Ufers und der zahlreichen Bahn- und Metrogleise in dem Bereich“, unterstreicht Marie-Laure Canonne, Hauptprojektleiterin bei VINCI Energies. „Die durften während der Bauarbeiten nämlich nicht gesperrt werden – das erforderte innovative Lösungen. Unter anderem wurde eine 40 Meter lange und 18 Meter breite Hilfskonstruktion aufgestellt, um während der Errichtung der oberen Etagen der Bügelbauten über der Metrobrücke der Linie 5 die Sicherheit zu gewährleisten.”
Koordination ist alles
Projektumfang und Multifunktionalität der Gebäude verkomplizieren die Organisation.
VINCI Energies ist mit sechs Business Units an dem Bauvorhaben beteiligt: Tunzini Build’In Smart und Lefort Francheteau Eolys für HLK (Heizung, Lüftung, Klima), SAGA Neo Smart für Sanitäranlagen, Phibor Espaces und Santerne Horizon für die gesamte Elektrotechnik und den Brandschutz, Uxello für die Sprinkleranlage.
„Das Projekt stellt uns vor zahlreiche technische Herausforderungen, insbesondere aufgrund des nahen Seine-Ufers und der zahlreichen Bahn- und Metrogleise in dem Bereich.”
„Eine weitere Besonderheit: Im Zuständigkeitsbereich von Kaufman & Broad ist eine Arbeitsgemeinschaft aus fünf Architekturbüros tätig, die wiederum eng mit dem Architekten für die öffentlichen Gebäude zusammenarbeiten“, bemerkt Canonne.
Ebenfalls bemerkenswert: Sämtliche Flächen wurden bereits verkauft, noch bevor der erste Kubikmeter Beton gegossen wurde. „Dafür kamen die französischen Rechtsinstrumente des „Verkaufs vor Fertigstellung“ (VEFA) bzw. des „Bauträgervertrags“ (CPI) zum Einsatz. Das ist selten, hat Auswirkungen auf Reporting und Follow-up und macht das Vorhaben noch einzigartiger“, so die Hauptprojektleiterin abschließend.
15/01/2026