Immobilien neuester Generation beinhalten immer mehr Digitaltechnik, haben jedoch Mühe, die Anwendungen miteinander kommunizieren zu lassen. Die Lösung? Verknüpft mit BIM, sprich Building Information Modeling, kommt nun das BOS bzw. Building Operating System.

Ließe sich die Smart-Building-Realität in unseren Städten am Medienecho festmachen, müssten intelligente Gebäude eigentlich die neue Richtschnur für Bau und Instandhaltung von Immobilien sein. Gewiss, Smart Buildings sind im Aufwind. Das steht außer Zweifel.

„Smart Buildings, d.h. Gebäude, die einerseits automatische Steuerungen und andererseits eine Palette von Dienstleistungen für die Nutzer bzw. Betreiber umfassen und vor allem im Bürobau Fuß gefasst haben, dehnen sich nun auf weitere Teilbereiche des Immobiliensektors aus: Gesundheitseinrichtungen, Einzelhandel, Museen. Mit einer raschen Expansion in allen Regionen“, kommentiert Aymeric Tissandier, Leiter Engineering & Bau, Building Solutions bei VINCI Energies.

Mit zunehmender Verbreitung stößt diese erste Smart-Building-Generation jedoch auch an ihre Grenzen. Das Problem stellt sich überall in gleicher Weise: schwer zugängliche Daten und ein leistungsschwaches Datenmanagement, obwohl es ja gerade die vom Gebäude und dessen Nutzern generierten Daten sind, die ein Smart Building von früheren Bauten unterscheiden.

„Die aktuellen Smart Buildings sind noch nicht über das Stadium des Versprechens hinaus“, fasst Houda Matta, Smart-Building-Verantwortlicher bei VINCI Energies, die Situation zusammen.

Während eine immer größere Zahl an Applikationen, die große Mengen unterschiedlicher Daten generieren und nutzen, eine zusätzliche Schicht an Komplexität hinzufügt, geht es bei der Einführung von Smart Buildings auf breiter Basis vor allem darum, über das Prinzip einzelner „Silos“ hinauszugehen und die Gebäudeintelligenz operativ voll zu nutzen.

Betriebssystem

In diesem Bestreben gibt es einen wertvollen Verbündeten: das Building Operating System (BOS). Was ist das? Nichts anderes als das Betriebssystem. Das BOS ist die zentrale Software, um bisher vertikal und streng nach Gewerken und Funktionen gegliederte infrastrukturelle und nutzungsrelevante Gebäudebereiche miteinander kommunizieren zu lassen.

„Ziel und Zweck des BOS ist es, das Gebäude in eine evolutive digitale Plattform zu verwandeln, um so Dienstleistungen mit echtem Mehrwert bieten zu können.“

Ziel und Zweck des BOS ist es, das Gebäude in eine evolutive digitale Plattform zu verwandeln, um so Dienstleistungen mit echtem Mehrwert bieten zu können. Das BOS ist Kernstück des Leistungsversprechens eines Smart Building“, unterstreicht Philippe Conus, Building Solutions Manager bei VINCI Energies.

Das Innovationspotenzial von BOS stützt sich auf drei Merkmale: visuelle Darstellung, Öffnung, Ausbaufähigkeit. In direkter Verbindung mit dem Building Information Modeling (BIM), d.h. dem digitalen Modell eines Gebäudes, ermöglicht das Building Operating System den grafischen und intuitiven Zugang zu den Daten.

Jede gebäudetechnische Steuerung wird in 3D an ihrem richtigen Platz angezeigt. Die Lampe X im Büro Y am Ende des Ganges im Stockwerk Z kann sofort identifiziert und telematisch in Echtzeit angesteuert werden.

„Voraussetzung für eine solche räumliche Darstellung von Rohdaten sind gemeinsame Standards, auf die sich alle Akteure zunächst einmal einigen müssen. Infrastrukturen, Instandhaltungsplanungs- und –steuerungssysteme (CMMS), BIM, Gebäudeleittechnik (GLT), IoT und alle Dienstleistungsapplikationen für Gebäudenutzer – all diese Funktionsbausteine müssen zunächst die gleiche Sprache sprechen“, erklärt Aymeric Tissandier.

Eine neue Art zu arbeiten

Das Gebäude erfasst während seiner gesamten Lebensdauer Nutzerdaten. Dem Building Operating System kommt dabei die Rolle des Übersetzers zu, um sie zu analysieren, besser zu verstehen und auf Leistungsanfragen sofort zu reagieren (Raumreservierung, Licht, Temperatur, Luftqualität, Netzanbindung, Dialog mit gebäudeexternen Anwendungen usw.). Es ist der Garant für regelmäßige Updates, um das Smart Building vor Obsoleszenz jeder Art zu schützen.

Kurz gesagt, agiert das BOS wie eine offene, dynamische und in Echtzeit änderbare Datenbank, die BIM-Daten mit anderen gebäuderelevanten Datenquellen verknüpft.

„BOS wird für unsere Berufe eine neue Art zu arbeiten mit sich bringen“, fügt Philippe Conus hinzu. „Um Gebäude mit selbstlernenden und folglich evolutiven Dienstleistungen planen und realisieren zu können, muss neues Expertenwissen integriert werden. Dazu gehören Netzwerkarchitekturen, ein versierter Umgang mit Steuerungs- und Instandhaltungsdaten und Fragen der Cybersicherheit von Infrastrukturen.“

VINCI will hier mit der neuen Konzernzentrale „Archipel“ in Nanterre eine Pionierrolle einnehmen. Die Übergabe ist für 2021 geplant. Das neue Objekt ist von A – Z digital geplant, gebaut und gesteuert. Eine erste Spielwiese im Maßstab 1:1 für ein BOS, das alle Stücke spielt.

12/09/2019