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Standpunkte von Persönlichkeiten, Topmanagern, Forschern, Meinungsführern zu einem aktuellen oder strukturgebenden Thema in Bezug auf digitale Transformation und Energiewende.

Vor wenigen Jahren noch galt die Wiederverwendung von Baustoffen und Komponenten aus dem Hochbau als Randerscheinung – heute setzt sie sich zunehmend als wesentlicher Faktor der ökologischen und sozialen Wende durch. Sie schafft Arbeitsplätze, bringt neues Geschäft und ändert Bauverfahren.

©Arthur ETIENNE

2020 wurde die Wiederverwendung von Gebäudetechnik noch als marginal oder sogar anekdotisch wahrgenommen. Doch schon damals war klar: In Scope 3 (indirekte Treibhausgasemissionen) kann deutlich mehr eingespart werden als in den Scopes 1 und 2 (direkte Emissionen und Energieverbrauch) – nämlich fast einhundert Mal so viel. Angesichts dessen war Untätigkeit keine Option.

Ganze Branche zum Umdenken bringen

VINCI Energies Building Solutions im Großraum Paris hat eine entsprechende Selbstverpflichtung abgegeben – und zwar aus Überzeugung, lange vor den gesetzlichen Auflagen der französischen Umweltverordnung RE2020, der europäischen Taxonomie, den Forderungen der Kund:innen oder den Angeboten der Lieferant:innen.

Damit wurde das klare Ziel verfolgt, die gesamte Branche mitzuziehen und zum schnelleren Umdenken anzuregen.

Die ersten Maßnahmen konzentrierten sich auf eine klimafreundliche Entwurfsplanung und die Identifizierung von Bezugsquellen für Gebäudetechnik mit geringen Umweltauswirkungen. Jede Marktsondierung brachte neue Lösungen hervor. Diese waren weder teurer noch weniger leistungsfähig, erforderten allerdings mehr kollektive Intelligenz und Ingenieurskunst.

2021 bewarb sich ein Bauleiter mit einem Vorschlag zur Wiederverwendung von Kabeltrassen um den VINCI-Umweltpreis. Die Idee wurde aufgegriffen, strukturiert und umgesetzt. Die Aufbereitung durch RESO Services und die anschließende Rückführung in den Beschaffungskreislauf zeigten die Machbarkeit dieses Wirtschaftsmodells. Allerdings beschränkte man sich nicht auf Kabeltrassen: auch für andere Materialien gibt es zwischenzeitlich Wiederverwendungs-, Aufarbeitungs- oder Retrofit-Lösungen.

Mut zum Risiko und Vorausplanung

Heute gibt es ein knappes Dutzend davon, die auf VINCI-Ebene über Backin vertrieben werden (die VINCI-Lösung zur massiven Förderung der Wiederverwendung von Baumaterial).

Wiederverwendung ist jedoch nicht nur eine technische Aufgabe. Es müssen auch Dinge wie Bezugsquellen, Demontage- und Aufbereitungsverfahren, Rückverfolgbarkeit, Versicherungsfragen, Lagerung und Bereitstellung für neue Projekte geklärt werden.

Für diese Strukturierung waren konkrete Investitionen erforderlich, insbesondere für die Verdoppelung der Lagerfläche und die Einstellung spezialisierter Projektleiter:innen. Die schwarze Null ist noch nicht erreicht, jedoch mittelfristig in Sicht. Möglich wird das durch eine Unternehmensstruktur, die Mut zum Risiko und Vorausplanung erlaubt.

Ein Grundpfeiler einer gerechten ökologischen Wende, die Werte schafft und den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

In letzter Zeit machen sich auch die Auftraggeber:innen diesen Ansatz zu eigen. Ein Sanierungsprojekt beginnt heute nicht mehr mit einer blindwütigen Entkernung, sondern vorab wird die Frage geklärt, was beibehalten, was wiederverwendet und was umgenutzt werden kann.

Ist Wiederverwendung also noch immer eine Randerscheinung? Kurzfristig vielleicht. 2025 konnten im Geschäftsfeld Bau der Building Solutions im Großraum Paris etwa 1 % der Emissionen im vorgelagerten Scope 3 vermieden werden.

Nur diese bloße Zahl zu betrachten, bringt uns jedoch nicht weiter. Erstens, weil alle Voraussetzungen für eine exponentielle Skalierung erfüllt sind: Überzeugte Kund:innen, erprobte Beschaffungswege, gut vorbereitete Unternehmen. Zweitens, weil die Wiederverwendung einen großen gesellschaftlichen Mehrwert hat.

Ökologischer und sozialer Nutzen

Rein wirtschaftlich macht es keinen Unterschied, ob 10.000 Euro für neue oder für Second-Hand-Ware ausgegeben werden. Durchaus einen Unterschied macht allerdings der Inhalt: Bei Neuware besteht er hauptsächlich aus Energie und Rohstoffen, während die Wiederverwendung Arbeitsplätze schafft.

Bereits die geringe Treibhausgas-Einsparung von 1 % generierte knapp 100.000 zusätzliche Arbeitsstunden, das entspricht 60 Vollzeitäquivalenten. Die Wiederverwendung hat somit sowohl einen ökologischen als auch einen sozialen Nutzen – darauf dürfen wir stolz sein.

Dieser soziale Wert wird derzeit beim Angebotsvergleich noch nicht berücksichtigt. Aber die Branche ist optimistisch: Früher oder später wird sich das ändern. Wiederverwendung ist keine Randerscheinung, sondern ein Grundpfeiler einer gerechten ökologischen Wende, die Werte schafft und den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

10/09/2026

Von Olivier Genelot,

Geschäftsleiter von VINCI Energies France Tertiaire IDF

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