Mit den neuen Möglichkeiten der Bildverarbeitung durch künstliche Intelligenz entwickelt Axians Italien das „Venice Crowd Project“, eine Lösung für eine optimierte Lenkung der Touristenströme im Stadtkern Venedigs.

Der Stadtkern von Venedig zählt zwar nur ca. 53.000 Einwohner, jedoch täglich 82.000 Besucher, insgesamt mehr als 30 Millionen pro Jahr. Dieser Touristenstrom bringt der Serenissima zwar beträchtliche Einnahmen, verursacht aber auch zahlreiche Probleme, insbesondere aufgrund der Menschenmassen, die sich immer dichter durch die Straßen wälzen. Eine Ausschreibung der Stadt von Februar 2019 betraf daher die Planung und Installation eines intelligenten Systems zur Besucherstromanalyse im Zentrum der Stadt. Um vorausplanen und Sofortentscheidungen treffen zu können, soll ein Smart Control Room mit präzisen, alle 5 Sekunden aktualisierten Daten gespeist werden.

Wir installieren 35 ‚Portale’ mit einem oder mehreren Sensoren, um die Passantenströme auf ihrem Weg durch Venedig zu erfassen.

Unter anderem sind folgende konkrete Anwendungen angedacht: automatische Sicherheitswarnmeldungen (Panikbewegungen usw.), optimiertes Verkehrsangebot (Bus, Zug und Vaporetto), Anzeige der günstigsten Zeiten für einen Besuch und optimierte Dienstleistungsangebote der Stadt.

Stereoskopie und Radio Sniffers

Den Zuschlag erhielt im Mai 2019 die „data driven“ Lösung von Axians Italien „Unser Angebot für das Venice Crowd Project bestand aus 35 ‘Portalen’ mit einem oder mehreren Sensoren zur Erfassung der Passanten auf ihrem Weg vom Busbahnhof an der Piazzale Roma bzw. vom Bahnhof Santa Lucia bis zum Markusplatz“, erklärt Andrea Troisi, IoT Team Manager bei Axians Italien. „Die Sensordaten werden über gesicherte VPN-Tunnel per Glasfaser und 4G LTE in die Leitwarte übertragen“, fügt er hinzu.

Es handelt sich um „intelligente“ Sensoren mit zwei gleichzeitig genutzten Echtzeit-Technologien, und zwar einer stereoskopischen Bildanalyse der Aufnahmen einer 3D-Kamera mit einer Erfassungsgenauigkeit von 98% und „Radio Sniffers“ zur Erkennung mobiler Endgeräte (WLAN und Bluetooth Low Energy). „Diese Sensoren liefern keine Rohdaten in Form von Bildern und Videos, sondern präzise, anonyme Datenpakete, die zu keinerlei Bedenken in Bezug auf die EUVorschriften zum Schutz personenbezogener Daten Anlass geben“, so Andrea Troisi. Abgesehen von der Entwicklung einer spezifischen Software für die Verarbeitung dieser Echtzeitdaten – eine technische Leistung für sich –, musste sich Axians an die Erfordernisse und Besonderheiten der Lagunenstadt anpassen. „Die Sensoren mussten unsichtbar angebracht werden, um das Stadtbild nicht zu beeinträchtigen. An engen, stark frequentierten Stellen war Nachtarbeit angesagt und wir mussten eine ganze Flotte mieten, um das Material an Ort und Stelle zu befördern“, vertraut uns Andrea Troisi an.

12/03/2020