Vom Auftraggeber bis zum Nutzer müssen alle Beteiligten bereits in der Phase der Bedarfsbestimmung hinzugezogen werden, damit die Planung der Arbeitsräume ein gemeinsamer Erfolg im Dienste der MitarbeiterInnen und des Unternehmens wird.

Man muss wohl kaum daran erinnern, wie sehr die digitale Revolution die Arbeit in ihren Organisationsformen und ihrer individuellen Praxis verändert. Für die Unternehmen handelt es sich hierbei um Anliegen mit zahlreichen Unbekannten und darum, von vornherein grundlegende Muster in Frage zu stellen.

Zu den offenen Baustellen gehört die Gestaltung der Arbeitsräume. „Wir stehen vor einer schwierigen Gleichung: auf der einen Seite die Rationalisierung des Gebäudebestands, auf der anderen die schwer rationalisierbare Entwicklung der Arbeitsgewohnheiten“, sagt Philippe Meurice, Architekt, Gründer der DEGW, spezialisiert auf die Gestaltung innovativer Arbeitsräume. Auf der einen Seite steht das finanzielle Erfordernis, das Verhältnis Nutzer/m2 zu optimieren, auf der anderen das gesellschaftliche und individuelle Bestreben, sich die Arbeit wieder zu eigen zu machen. Austausch, Teilen, Wohlbefinden am Arbeitsplatz sind heute feste Bestandteile des Pflichtenhefts der Arbeitgeber. Asymmetrische Räume und Linien, kurvenreiche Wege, „Lounge“-Flächen, Räume für Kollektiv-Projekte, Orte, an denen Wissen und Kenntnisse ausgetauscht und geteilt werden, bepflanzte „Corners“, naturbelassene Materialien, warme Farben, gedämpftes Licht: All das hat in den neuen Räumen des Dienstleistungsgewerbes Einzug gehalten. Sogar dort, wo man es vielleicht am wenigsten erwartet.

„Wie zu Hause“

Unisys, ein etablierter IT-Dienstleistungskonzern, hat kürzlich VINCI Facilities mit der Umgestaltung seiner europäischen Standorte beauftragt, angefangen mit der Brüsseler Hauptverwaltung. Ziel war es, den MitarbeiterInnen ein polymorphes Arbeitsumfeld zu bieten, angenehmer und bunter, strukturiert nach verschiedenen räumlichen Funktionen, darunter Gänge, separate Räume für Telefongespräche, Besprechungsräume, gemütliche Gesprächsräume usw.

Die Unternehmen wollen Orte, die die Lebensqualität am Arbeitsplatz fördern; sie überziehen die Baupläne mit einer dicken Schicht Innendekoration, damit man sich ‚wie zu Hause’ fühlen kann“, erklärt Séverin Vialas, Unternehmensleiter für Happy Taf bei VINCI Facilities, der an der Umgestaltung der Firmensitze von Axians, Thales, Airbus, Lafarge, und VINCI mitgewirkt hat.

„Das Raumgestaltungsprojekt wird zum Katalysator des Unternehmenskonzepts. Raumgestaltung ist mehr denn je ein Führungsinstrument.“

Philippe Meurice zufolge „verlangt das neue Paradigma von Architekten/Büroplanern ein Umdenken der Prozesse: Planung, Entwurf und Ausführung verschmelzen mit einer globalen Leistungsidee des Unternehmens, unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Werte wie Austausch und Zusammenarbeit und auf der Grundlage einer wirklich neuen Projektführung unter Beteiligung von Entscheidungsträgern, Machern, Nutzern, Planern, Gesundheitsexperten und Sozialpartnern.“  Es geht also nicht mehr darum, Modelle zu zeigen, und schon gar nicht darum, Büroflächen nach Plan zu verkaufen, sondern darum, die neuen Arbeitsräume gemeinsam mit den Auftraggebern und Nutzern zu definieren und zu planen, während man gleichzeitig schon ausführt. Die 3D-Werkzeuge machen die Dinge bedeutend leichter; jeder kann nun bis ins kleinste Detail nachvollziehen, wie sein künftiges Arbeitsumfeld aussehen wird.

Gemeinsam entwerfen dank virtueller Realität  

Einrichtungsexperten verfügen heute über ein wertvolles Tool, mit dem sich jeder Nutzer die künftigen Räume besser aneignen kann: die virtuelle Realität.  „Die in den Apps der Computerspiele verwendeten Softwareprogramme bieten eine verblüffend realistische und präzise Abbildung der Realität. Sobald man den Kopfhörer aufsetzt, hat man wirklich den Eindruck, sich in seinem eigenen Arbeitsumfeld zu bewegen. Man erkennt sogar die eigene Straße oder das Parkhaus durchs Fenster“, erläutert Séverin Vialas.

Kooperation ist Ziel und Grundgedanke; so fließen fortan die Prinzipien und Methoden des Design Thinking in die Raumgestaltung ein. Die Forderung nach frühzeitiger und nachgelagerter Zusammenarbeit erweitert das Tätigkeitsfeld der Büroplaner, von der Planung bis zum Facility Management. „Das Raumgestaltungsprojekt wird zum Katalysator des Unternehmenskonzepts und der Architekt/Büroplaner zum Vermittler. Raumgestaltung ist mehr denn je ein Führungsinstrument“, begrüßt Philippe Meurice.

17/01/2019