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Fabrice Montesi, Managing Director von VINCI Energies Belgium Building Solutions, über den tiefgreifenden Wandel in der Baubranche und der Infrastrukturbewirtschaftung – Stichwort Smart Buildings, KI, Energieeffizienz und Benutzererfahrung.

Die Digitalisierung verändert die Baubranche grundlegend: Welche Innovationen werden Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren die deutlichsten Auswirkungen auf Planung, Bewirtschaftung und Instandhaltung von Gebäuden haben?

F.M. Die einschneidendsten Innovationen im Bausektor hängen derzeit vor allem mit Digitalisierung zusammen – es geht um die Entwicklung von Smart Buildings. Sie decken sämtliche Phasen des Lebenszyklus von Gebäuden ab: Bereits in der Entwurfsphase als BIM (Building Information Modeling), während der Errichtung in Form der Optimierung des Bauablaufs, und bis hin zur Instandhaltung.

Der Digitalisierungsboom verschafft uns Zugang zu enormen Datenmengen, was wiederum die Gebäudebewirtschaftung auf ganz neue Grundlagen stellt. Insbesondere bei der Instandhaltung setzen wir nicht mehr nur auf die bloße Sicherstellung der Verfügbarkeit der technischen Anlagen, sondern verfolgen einen deutlich globaleren Ansatz.

Dank künstlicher Intelligenz können wir jetzt an der Energieeffizienz von Systemen arbeiten, Komfort und Wohlbefinden der Gebäudenutzer:innen verbessern, den Verbrauch senken und kollaborative, leistungsfähigere Arbeitsumgebungen schaffen.

Wie bringt VINCI Energies Belgium Building Solutions technische Innovationen, betriebliche Performance und steigende Erwartungen in Sachen Nachhaltigkeit unter einen Hut?

F.M. Tatsächlich sind diese drei Dimensionen eng miteinander verbunden und verstärken sich gegenseitig. Es ist ein positiver Kreislauf: Je innovativer Gebäude sind, desto nachhaltiger werden sie, insbesondere durch die Senkung des Energieverbrauchs und die Verbesserung ihrer Umweltverträglichkeit.

Hier darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Gebäudebestand knapp 37 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verursacht und 40 % des Energieverbrauchs. Vor diesem Hintergrund stellen Innovationen sowohl einen starken Differenzierungsfaktor als auch einen enormen Mehrwert am Markt dar. Die Sanierung des Brüsseler Ellipse-Buildings wurde so geplant, dass auf fossile Energieträger verzichtet werden kann – ein gutes Beispiel für diese Entwicklung.

Welche kulturellen oder organisatorischen Veränderungen sind neben Tools und Systemen notwendig, um eine echte digitale Transformation im Baugewerbe zu erreichen?

F.M. VINCI kann hier einen wichtigen Trumpf ausspielen: Die dezentrale Konzernstruktur. Jede Business Unit steht im direkten Kundenkontakt und kennt ihren Markt sehr genau. Innovationen entstehen deshalb vor Ort und aus dem konkreten Bedarf heraus.

„Das Gebäude der Zukunft ist nachhaltig und setzt auf ein nutzerzentriertes Design.”

Darüber hinaus haben sich die Berufsprofile bei VINCI Energies, insbesondere bei VINCI Energies Building Solutions, in den letzten Jahren stark gewandelt. Neben Fachleuten für unser Stammgeschäft beschäftigen wir zunehmend Expert:innen in den Bereichen IT und digitale Transformation.

Gebäude werden zunehmend intelligenter, digitaler und vernetzter: Wie wird sichergestellt, dass der technische Fortschritt konkret das Benutzererlebnis verbessert und gleichzeitig für Ergonomie, Komfort und Sicherheit sorgt?

F.M. Darauf möchte ich mit zwei Wörtern antworten: „Customer centric“. Bei unserer Arbeit gehen wir stets von den Bedürfnissen und Erwartungen unserer Kund:innen aus. Dieser Ansatz hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Angebotsgestaltung. Wir entwickeln intuitive, einfach zu nutzende und perfekt integrierte Lösungen mit einem klaren Ziel: Die Verbesserung der Nutzererfahrung.

Das bedeutet unter anderem benutzerfreundliche Anwendungen, um beispielsweise einen Besprechungsraum zu reservieren, ihn vor der Besprechung automatisch auf Temperatur zu bringen, oder auch Dienstleistungen wie Essensbestellungen. Unsere WAVE-Lösung veranschaulicht diesen Ansatz perfekt: Es handelt sich dabei um eine umfassende Plattformlösung für intelligentes Gebäudemanagement, mit der Energieverbräuche in Echtzeit verfolgt und alle vernetzten Equipments gesteuert werden können.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Hindernisse für die rasche Einführung innovativer Lösungen in der Bau- und Infrastrukturbranche ?

F.M. Die Branche ist sehr komplex und stark fragmentiert. Das ist meiner Meinung nach der größte Hemmschuh, weil deshalb sehr viele Akteur:innen und Gewerke unter einen Hut gebracht werden müssen. Die Herausforderung besteht in diesem Zusammenhang in der Stärkung der Interoperabilität zwischen den Systemen und in der weiteren Standardisierung der Prozesse. Allerdings wurde hier auch schon viel erreicht, insbesondere durch die Nutzung vorhandener Daten. Dennoch gibt es bislang keine gemeinsame Sprache, die eine nahtlose Integration aller Beteiligten ermöglichen würde.

Inwiefern können ICT und insbesondere KI eine wichtige Rolle bei der Beschleunigung der Energiewende spielen und zu nachhaltigen Gebäuden beitragen?

F.M. Die zunehmende Digitalisierung der Anlagen sorgt für eine wahre Datenflut. Dank ICT und insbesondere KI können diese Daten miteinander verknüpft, analysiert, überwacht und vor allem interpretiert werden – das sorgt für stichhaltigere, schnellere Entscheidungen.

Die KI steckt im Baugewerbe aber noch in den Kinderschuhen, genauso wie die vorausschauende Instandhaltung. Nichtsdestotrotz gibt es bereits zahlreiche vielversprechende Initiativen, insbesondere bei der Schwingungsanalyse von Bauteilen und dem intelligenten Verbrauchsmonitoring. Mit diesen Lösungen lassen sich mögliche Störungen frühzeitig erkennen, so dass die Gebäudebewirtschaftung nachhaltig optimiert wird.

Wie fördern Sie als Manager die Innovationskraft Ihrer Teams?

F.M. Innovationen liegen uns im Blut. Bei VINCI Energies Building Solutions verfolgen wir einen sehr pragmatischen Ansatz, der sich auf die konkrete Lösung der Probleme unserer Kund:innen fokussiert. Durch unsere starke Dezentralisierung sind wir immer nahe an den verschiedenen Ökosystemen dran und können Initiativen vor Ort fördern. Wir stützen uns auch auf unser schlagkräftiges VINCI Energies-Netzwerk, das den Erfahrungsaustausch und die Verbreitung von Best Practices fördert, insbesondere über verschiedene Fachclubs.

Blicken wir einmal in die Zukunft – wodurch zeichnet sich in zehn Jahren ein wirklich innovatives Gebäude aus?

F.M. Das Gebäude der Zukunft ist vor allem nachhaltig und setzt auf ein nutzerzentriertes Design. Es ist vollständig integriert – das gilt für Konnektivität, Energieeffizienz und digitale Intelligenz gleichermaßen. Außerdem ist es deutlich flexibler und anpassungsfähiger. Die Räumlichkeiten können ganz einfach und je nach Verwendungszweck neu konfiguriert werden: Büros werden mit wenigen Handgriffen und ganz selbstverständlich zu Besprechungsräumen oder Coworking-Plattformen.

Welche Kompetenzen müssen die Führungskräfte angesichts des raschen technischen Wandels entwickeln, um erfolgreich die Innovation in der Baubranche zu steuern?

F.M. Die Führungskraft von morgen muss Menschen vor allem vernetzen, statt sie zu überwachen. Sie muss inspirieren, Zusammenarbeit fördern und Synergien schaffen, sowohl intern als auch mit externen Partner:innen.


Fabrice Montesi hat den größten Teil seines Berufslebens bei VINCI Energies in Belgien verbracht. So war er unter anderem General Manager Business Unit Projects bei Cegelec Belgien, dann Managing Director von Televic Audiovisual bei Axians, bevor er im März 2025 zum Managing Director von VINCI Energies Belgium befördert wurde.

15/10/2026