Das große Interesse am Thema vorausschauende Instandhaltung, aber auch die Investitionen in CMMS-Software zeigen, welchen Stellenwert die Wirtschaft dem Erhalt der Anlagenverfügbarkeit einräumt. 

Im Fahrwasser der künstlichen Intelligenz, der jüngsten Referenz in Sachen Modernität, hat die „Predictive Maintenance“, die vorausschauende Instandhaltung, Rückenwind in der Industrie. Bei einer im September 2018 im Auftrag von KPMG und L‘Usine Nouvelle durchgeführten Studie erklärten 50 Prozent der Manager, dass sie diese Technologie einführen wollen. Sie hat zum Ziel, durch Datenanalyse Pannen vorherzusagen und somit zu vermeiden. Ein bemerkenswertes Ergebnis, das jedoch „eher unter dem Gesichtspunkt des wachsenden Stellenwerts der Maintenance im Allgemeinen als der vorausschauenden Instandhaltung im Besonderen zu sehen ist“, warnt Aleksandar Maksimovic, Technischer Leiter Maintenance & Services bei Actemium (VINCI Energies).

Die gleiche Studie hat im Übrigen ergeben, dass die vorbeugende Instandhaltung, bei der regelmäßige Überprüfungen und Maßnahmen durchgeführt werden, von 91 Prozent der Teilnehmer befürwortet wird. Für knapp zwei Drittel der befragten Industrievertreter liegt die Hauptpriorität auf der Verfügbarkeit ihrer Anlagen. Für Aleksandar Maksimovic gibt es kein allgemeingültiges Instandhaltungsideal, sondern unterschiedliche Formen, die in Abhängigkeit von den Fertigungsverfahren und Zielen des Unternehmens festgelegt werden müssen.

Kein allgemeingültiges Instandhaltungsideal, sondern unterschiedliche Formen in Abhängigkeit von den Fertigungsverfahren und Zielen des Unternehmens

Bei auslegungsbedingt sehr zuverlässigen Fertigungslinien kann eine ausfallorientierte Instandhaltung ausreichen – ein Teil wird erst ausgetauscht, wenn es kaputtgeht“, erläutert er. „In anderen Fällen, etwa bei einer Gepäcksortieranlage auf einem Flughafen, die redundant ausgelegt ist – wenn eine Linie vorübergehend steht, laufen andere weiter – reicht eine vorbeugende Instandhaltung aus. Vorausschauende Instandhaltung ist dann sinnvoll, wenn ein Ausfall große Auswirkungen auf die Produktionsleistung hat oder Menschen gefährdet, etwa bei Kernkraftwerken oder in der Luftfahrt.“

ROI und Lean Management

Es ist letztlich eine Frage der Instandhaltungspolitik in Bezug auf den Return on Investment“, fasst der Technische Leiter Maintenance & Services von Actemium zusammen. „Wenn es nicht notwendig ist, braucht man auch keine vorausschauende Instandhaltung.“ Und er fügt hinzu: „Vom Lean Management hört man wenig, aber eine Instandhaltung im positiven Sinn ist Bestandteil dieser Methode.“ Dabei geht es um die Produktionsoptimierung, unter anderem durch weniger Produktionsfehler und Zeitoptimierung.

Weniger Ausfälle bedeuten höhere Rendite, und dafür müssen das Ersatzteilmanagement optimiert und die Instandhaltungsteams zur rechten Zeit und am rechten Ort eingesetzt werden. Datengestützte Tools können herangezogen werden, um die Instandhaltung zu managen und zu optimieren. Laut der Untersuchung von KPMG und L‘Usine Nouvelle nutzen 83 Prozent der Unternehmenschefs eine solche CMMS-Software – das können moderne, prädiktive Systeme sein, die auf Sensornetzen und Algorithmen aufbauen, oder ältere, einfacher aufgebaute Programme.

Datenmanagement

Als auf CMMS spezialisierter Systemintegrator unterstützt Actemium die Unternehmen bei der Auswahl der Tools und in der Folge bei der Integration, Parametrierung und sogar beim Betrieb. Diese Unterstützung bedingt „eine enge Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern des Unternehmens und den IT-Spezialisten von Actemium“, unterstreicht Aleksandar Maksimovic. Die Daten „gehören weiterhin dem Unternehmen, denn es handelt sich um produktionskritische Informationen“, unterstreicht der Actemium Manager. Er ist überdies nicht der Ansicht, dass der Mangel an Digitalisierungsexperten in den Fabriken die Entwicklung der vorausschauenden Instandhaltung hemmt. Sicher stoße die digitale Transformation häufig auf mangelnde Kompetenzen und Methoden, aber „genau diese Tools und ihr Einsatz müssen mit Unterstützung der Maintenance-Experten bei Actemium in das Unternehmen integriert werden. Das ist nicht nur Sache der Data Scientists“.

In Zeiten der Digitalisierung kann ein Instandhaltungsprojekt nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn „alle am Produktionsprozess Beteiligten eingebunden sind, vom Maschinenführer bis zur höchsten Managementebene im Konzern“. Immer mehr Unternehmen werden sich des Stellenwerts der Instandhaltung bewusst und binden sämtliche Hierarchieebenen in ihre Digitalisierungsprojekte ein. „Instandhaltung wird heute in ihrer strategischen Dimension erfasst und nicht mehr als reiner Kostenfaktor, sondern als Performance-Hebel gesehen. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil von Industrie 4.0“, freut sich Maksimovic.

10/10/2019