Für die Nutzer von Bürogebäuden wie auch für die Technikteams, die für den reibungslosen Betrieb der Gebäude sorgen, kommt es darauf an, dass die digitalen Tools weiterhin das tun, wofür sie gedacht sind, nämlich dem zu Menschen dienen.

Großraumbüros voller Sensoren, in denen Roboter eine wichtige Rolle spielen… Werden die Bürogebäude der Zukunft möglicherweise so aussehen? Zum Teil sicherlich, aber eben nur zum Teil. Denn das intelligente Gebäude wird zwar in der Tat ein Aggregat vernetzter Objekte sein und mittels Algorithmen Unmengen von Daten auswerten, aber vor allem verspricht es eine Vielzahl von Diensten. Und zwar Dienste „mit menschlichem Antlitz“.

„Die Digitalisierung wird die Beziehung zum Endnutzer des Gebäudes nicht ersetzen, sondern wird sie stärken.“

„Die Digitalisierung verspricht sowohl im Verhältnis zum Gebäudenutzer als auch in der Gebäudetechnik und -erhaltung die Entstehung und Verbreitung einer neuen Generation hochqualitativer Dienste, angepasst an die sich verändernden Nutzungsformen… und ganz und gar nicht enthumanisiert“, unterstreicht David Ernest, Leiter Innovation und Energie bei VINCI Facilities.

Genau darin besteht heute die Kernaufgabe des Facility Managements: auf die Menschen ausgerichtete Dienstleistungsangebote zu konzipieren und weiterzuentwickeln. Der erste Schritt in diese Richtung ist eine akribische Auswertung der Gebäudenutzung in einer bestimmten Umgebung: Raumbelegung, Nutzerprofile, Bewegungsabläufe, aber auch Temperatur, Geräuschpegel, Helligkeit, Luftqualität… All diese Facetten des Lebens in den Gebäuden sind in Echtzeit zu messen und in der Cloud zu analysieren. „Die Digitalisierung wird die Beziehung zum Endnutzer des Gebäudes nicht ersetzen, sondern wird sie stärken“, lautet das Fazit von David Ernest.

Digital-menschliche Koproduktion

Bei Unternehmensimmobilien wird man sich also verstärkt auf den Nutzer konzentrieren und im Zuge einer Dynamik der „digital-menschlichen  Koproduktion“ von Diensten, die auf Nutzungsdaten gestützt einen echten Mehrwert bieten, die menschliche Interaktion fördern.

Viele dieser Dienste sind für eine Automatisierung gar nicht geeignet. Ganz im Gegenteil: sie werden neue Berufe entstehen lassen. Wer hätte noch vor zwei oder drei Jahren auf die Rolle des Hospitality Managers – eine Schlüsselfunktion im Facility Management – gesetzt?

Eine neue Kompetenz, aber nicht irgendeine: Als bevorzugter Ansprechpartner für Nutzer und Besucher hat der Hospitality Manager künftig nicht nur dafür zu sorgen, dass die vorhandenen Räumlichkeiten optimal genutzt werden können, sondern er soll auch die im Gebäude arbeitenden Beschäftigten bei der Umstellung auf die neuen Arbeitsweisen begleiten. Und dies „in aller Menschlichkeit“.

„Wir haben Tests mit einem Empfangsroboter gemacht, der die Besucher registriert und ihnen dann den Weg zu einem Warteraum oder zum Büro ihres Gesprächspartners weist. Klares Ergebnis: diese Art ‚enthumanisierte‘ Leistung wollen die Leute nicht“, erklärt David Ernest.

Dagegen entfaltet der Service-Roboter dann seinen vollen Wert, wenn dessen Einsatz – oder Nicht-Einsatz – der Kontrolle und Entscheidung des Hospitality Managers untersteht. Kurz gesagt: wenn der Automat dem Menschen dient und ihm gehorcht.

„Phygitale“ Allianz

Die Verbindung der menschlichen Intelligenz und des Digitalen, die man als ‚phygital‘ bezeichnen könnte, bewirkt auch eine tiefgreifende Veränderung der Potenziale im Leistungsbereich technische Wartung, Anlagen-Betriebsführung oder Steuerung“, führt David Ernest weiter aus.

Gewisse Aufgaben mit geringer Wertschöpfung werden sicherlich von halbautonomen oder selbstlernenden Systemen ausgeführt werden können. Aber digitale Anwendungen wie Building Information Modeling (BIM), Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz verschaffen den Technikteams auch mehr Eigenständigkeit bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und versetzen sie in die Lage, fundierter zu entscheiden und wirksamer zu agieren.

Die ersten Experimente mit BIM im Betrieb haben gezeigt, dass die Techniker Daten als zusätzliche Grundlage für Entscheidungen heranziehen, die sich in erster Linie auf ihre Kenntnis des jeweiligen Umfelds mit seinen Anlagen und Nutzern stützt.

Für den Endkunden wie auch für die Technikteams ist das intelligente Gebäude gleichbedeutend mit digital erweiterter menschlicher Leistung.

 

 

17/05/2018