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Mit ihren außergewöhnlichen Dimensionen, ihrer bemerkenswerten Architektur und ihren vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten stellten der Ost- und der Westturm, die jetzt in den Pariser Himmel ragen, für die bei dieser XXL-Baustelle tätigen Business Units von VINCI Energies eine große technische Herausforderung dar.

© Augusto Da Silva / Graphix-Images

Ein Fall wie aus dem Schulbuch. So könnte man das DUO-Hochhausprojekt im Pariser Südosten bezeichnen. Allein schon von ihrer Architektur schreiben die von den Ateliers Jean Nouvel entworfenen und von Ivanhoé Cambridge umgesetzten Wolkenkratzer Geschichte: Die beiden 180 und 125 Meter hohen, schrägen Glastürme sind in den französischen Hauptstadt von fast überall zu sehen – manchen gefallen sie, anderen nicht, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Rein technisch jedoch gibt es keine Diskussion: Die DUO-Hochhäuser sind eine Glanzleistung!

Es handelt sich mitnichten um Zwillingstürme, sondern eher um zwei asymmetrische Wolkenkratzer, die aus einem gemeinsamen Fundament mit neun Untergeschossen herauswachsen. Der Komplex vereint zahlreiche Funktionen: Büros, ein Konzertsaal, Trading Rooms, ein Viersterne-Hotel, ein Restaurant mit Bar und Panoramaterrasse, aber auch Geschäfte, Dachgärten sowie ein öffentlicher Park, der teilweise eine Bahnstrecke überspannt.

Zusammen mit den beeindruckenden Dimensionen stellten diese Besonderheiten eine Herausforderung in punkto Planung und technische Inbetriebnahme des Gebäudes dar, das zwischen Dezember 2021 und September 2022 von VINCI Construction und VINCI Energies an die beiden neuen Eigentümer, die Groupe BPCE und Accor, übergeben wurde. „Rein finanziell war das unser bisher größter Auftrag, und wahrscheinlich auch einer der komplexesten“, bestätigen die Hauptprojektleiter Lionel Guyot und Patrick Pulcrano von VINCI Energies.

Stringente Organisation und Koordination

VINCI Energies übernahm sämtliche technischen Lose im Komplettpaket: Starkstrom, Schwachstrom, Sanitär, Klima, Heizung, Lüftung, Brandschutz, Prozessleittechnik und Systemintegration. Der Projektumfang belief sich auf 117 Mio. Euro.

Ein so großes Projekt, für das in der Spitze 320 Mitarbeitende tätig waren, erfordert eine außergewöhnliche Organisation. Es mussten sieben Fachfirmen von VINCI Energies koordiniert werden: Axians (Video-GSM), Cegelec Tertiaire IdF Grands Projets (Starkstrom), Lefort Francheteau Domnium (KHL+Brandlüftung), SAGA Tertiaire (Sanitär), SDEL IMTEC (Schwachstrom), SDEL ITT Evolium (Schwachstrom) sowie Uxello Tertiaire Ile-de-France (Brandschutz).

„Rein finanziell war das unser bisher größter Auftrag, und wahrscheinlich auch einer der komplexesten”

Für jeden Turm wurde ein Referenz-Ansprechpartner benannt. Im Sinne einer besseren Durchführbarkeit und zur Straffung der parallelen Arbeitsabläufe wurde das Projekt in acht Unterprojekte unterteilt, für die jede beteiligte Business Unit eine:n Projektleiter:in mit eigenem Team stellte.

„Die Hauptschwierigkeit bei solchen Projekten ist die Koordination. Die hybride Nutzung macht die Bauausführung komplex, schon allein deshalb, weil die verschiedenen Teilbereiche unterschiedlichen gesetzlichen Vorschriften unterliegen: So ist das Hotel ein öffentliches Gebäude, während bei den Türmen die strengen Brandschutzregeln für Wolkenkratzer gelten. Hier war eine enge Zusammenarbeit mit den Prüfingenieuren gefragt, um gemeinsam praktikable Lösungen für bisweilen gegensätzliche Vorschriften zu finden“, unterstreicht Guyot.

Energieautarke Trader:innen

Die architektonischen Gegebenheiten verkomplizierten die Ausführung der technischen Lose weiter. Ein Beispiel: Das Hotel liegt im siebzehnten Stock des Westturms, aber der Empfang befindet sich im Erdgeschoss. Deshalb mussten zwischen den Technikräumen unten und oben spezielle Versorgungsschächte für das Hotel eingebaut werden, die durch die Büroetagen in den beiden unteren Dritteln des Wolkenkratzers verlaufen. Das war umso heikler, als das Tragwerk des Gebäudes unten aus Beton, oben aber aus Metall besteht.

Ein weiteres Beispiel aus dem Ostturm: Zwischen zwei Büroetagen wollte Natixis Raum für 1.300 Trader:innen schaffen. Diese 7.000 m² großen Räumlichkeiten werden von eigenen Energienetzen versorgt, unter anderem wurden zwei redundante 1,2 MW-Kältemaschinen installiert. „Dieses riesige Großraumbüro für die Trader:innen verteilt sich auf 5 Ebenen. Wir mussten sozusagen eine Art Rechenzentrum in einem Standard-Bürogebäude unterbringen“, bemerkt Guyot.

Vier Umweltzertifizierungen

Die Business Units von VINCI Energies, die auf dieser von Bateg gemeinsam mit Botte Fondations (VINCI Construction) geleiteten Baustelle tätig waren, mussten außerdem den Anforderungen der Bauherr:innen und Eigentümer:innen an verschiedene Ökolabels und Umweltzertifizierungen genügen. Beim DUO-Projekt waren es insgesamt fünf: Davon drei Zertifizierungen – WELL Building Standard™ Platinum-Level, LEED® Platinum und NF HQETM Bâtiments Tertiaires niveau Exceptionnel – sowie zwei Labels – effinergie+ und WiredScore® Platinum-Level. „Diese Zertifizierungen führen bei neuen Dienstleistungsgebäuden zu einem erheblichen Mehrwert und größerer Nachfrage. Das löst eine wahre Zertifizierungs-Inflation aus, und das ist umso komplexer zu managen, als zahlreiche Kriterien vom technischen Gebäudemanagement zu erfüllen sind – es müssen hunderte Zähler eingebaut, Standby-Schaltungen und Verbräuche überwacht und Anlagenoptimierungen durchgeführt werden. Je nach Standard schließen sich bestimmte Kriterien buchstäblich gegenseitig aus. In den ersten sechs Planungsmonaten gab es alle vierzehn Tage eine Baubesprechung, um das richtige Gleichgewicht zu finden und letztlich sämtliche Zertifizierungen zu bekommen“, so Guyot weiter.

Die ersten Mitarbeitenden von BPCE sind im späten Frühjahr 2022 eingezogen. Die Ladenlokale im Erdgeschoss werden derzeit vermarktet. Das Accor-Hotel soll dann im Herbst 2022 erste Gäste empfangen. In wenigen Monaten wird also Leben in die DUO-Hochhäuser kommen, ohne dass die neuen Nutzer:innen unbedingt wissen, an welchem außergewöhnlichen Ort sie sich gerade befinden.

 


Eine XXL-Baustelle

  • 4 Netzübergabestationen: 1 pro Turm und 2 für die Trader-Büroetagen
  • 6 Generatoren: 3 Notstromaggregate und 3 für die Trader-Büros
  • Installierte Wärmeleistung: 4 MW
  • Installierte Kälteleistung: 7 MW
  • 35 Luftaufbereitungsanlagen
  • 100 Brandlüfter
  • 50 Lüfter für die Parkgaragen
  • 80.000 m² Klimadecken für Heizung und Kühlung
  • 750 m² PV-Module
  • 115 m² Sonnenkollektoren
  • 1.000 Toilettenkabinen
  • Installierte elektrische Leistung 7 MW
  • 2 Kältemaschinen à 1 200 kW
  • 4 zusätzliche No-Break-Wechselrichter mit 580 kVA Leistung
  • 25 Trafos zwischen 800 und 2.000 kVA
  • 5.100 Sprinklerköpfe

08/09/2022