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Das mobile Krankenhaus der Katastrophenschutzeinheit Toulouse – ein Novum bezüglich rascher Einsatzbereitschaft und Autonomie – ist ein Co-Development-Projekt zusammen mit Cegelec Défense.

Zur Entlastung der Notaufnahme während der zweiten Covid-19-Welle, die angesichts der Einlieferung zahlreicher Patienten so gut wie keine freien Kapazitäten mehr hatte, traf am 9. 11. 2020 im Klinikum des Baskenlands in Bayonne (Pyrénées-Atlantiques) eine brandneue mobile Mehrzweck-Einheit ein: UMPEO (Unité mobile polyvalente Europe Occitanie). 

Transportiert wurde der 13 m lange, 10 t schwere Krankenhaus-Container von einer 18-t-Zugmaschine. In nur 20 Minuten war er mit seinen fünf ausklappbaren Bereichen und allem nötigen Zubehör (Bahren, Beatmungsgeräte, Stethoskope, Spritzen, Morphin, Infusionen usw.) aufgestellt. In der mobilen Einheit können gleichzeitig zehn relativ dringliche Notfälle und acht absolute Notfälle behandelt werden.

„Die Cegelec Défense- und SAMU 31-Teams arbeiten an einem zweiten Prototyp, dessen Entwicklung so gut wie abgeschlossen ist.“

 Ihre Entwicklung verdankt sie Prof. Dr. Vincent Bounes, Leiter des Rettungsdiensts auf Department-Ebene (SAMU 31), der eine solche Rettungsstation bereits seit mehreren Jahren fordert, und der Expertise von Cegelec Défense, einer auf Sicherheit und Verteidigung spezialisierten VINCI Energies-Tochter.

„Insbesondere nach der Explosion im AZF-Werk im September 2001 haben wir nach einer Lösung für eine komplett autonome, Katastrophenmedizin-geeignete Station(Massenterror, Industrieunfälle, Naturkatastrophen usw.) Ausschau gehalten. Das vorhandene Angebot entsprach jedoch nicht unseren Anforderungen, speziell im Hinblick auf eine Einsatzbereitschaft in weniger als einer Stunde“, berichtet Vincent Bounes. „Bei einem Gesundheitskongress 2019 sind wir dann auf den Demonstrator für den Shelter von Cegelec Défense gestoßen.“

Raschere Einsatzbereitschaft

Das war der Auslöser für das Konzept eines neuen mobilen Krankenhauses ausgehend von der bestehenden Basis einer von Cegelec Défense für den Feldeinsatz der Luftstreitkräfte entwickelten Kommandoleitstelle. Projektträger war die brandneue Katastrophenschutzeinheit Toulouse, die sich dafür auf einen Teil, der für das Interreg-Programm POCTEFA (Interreg-Programm V-A Spanien-Frankreich-Andorra) bereitgestellten europäischen Mittel in Höhe von 2,3 Millionen Euro stützen konnte.

„Bald fanden alle zwei Wochen gemeinsame Arbeitssitzungen zwischen SAMU 31-Vertretern und unseren Teams statt, auch während der ersten Lockdown-Periode“, berichtet Frédéric Tribet, Leiter der BU Cegelec Défense Solutions & Services. „Wir haben unermüdlich an neuen mechanischen und elektrischen Lösungen getüftelt, die mit in den Shelter integriert wurden und dabei natürlich die Art der Einsätze und die spezifische medizinische Ausrüstung für Rettungsdienste berücksichtigt. Wichtige Komponenten waren eine auch bei Netzausfall sichere Stromversorgung und die rasche Einsatzbereitschaft, um sehr viel schneller als mit Zelten über eine funktionstüchtige Rettungsstation zu verfügen.“

Das noch vor Ausbruch der Covid-19-Krise in Angriff genommene Projekt entspricht durchaus dem Konzept des mobilen Krankenhauses von Prof. Dr. Louis Lareng, dem Gründer des französischen Rettungsdiensts SAMU. „De facto erfolgte der erste Einsatz im September 2020. Die UMPEO wurde auf Anordnung des Präfekten für Covid-19-Testungen in sechs Städten im Süden des Departements Haute-Garonne eingesetzt“, so Gilles Laborde, Geschäftsführer von Cegelec Défense.

In Bayonne ist die Meinung einhellig: „In Bezug auf Komfort und Ergonomie lässt sie nichts zu wünschen übrig“, meint Vincent Bounes, der auch auf einen Einsatz in Navarra Anfang 2021 als Covid-19-Testzentrum zu sprechen kommt: „ihre Mehrzweckeignung hat sie damit unter Beweis gestellt“, schließt der Leiter der Rettung Toulouse.

Ein zweiter Prototyp kurz vor Fertigstellung

Seit ihrer Rückkehr aus Bayonne Ende November 2020 wurde die UMPEO zusätzlich mit einem satellitengestützten System für ihre Rolle als Remote-Leitstelle für Krankenhauseinweisungen sowie mit dem Kommunikationssystem Antares ausgestattet. Die mobile Einheit hat somit je nach Bordausrüstung eine Doppelfunktion, als notfallmedizinische Rettungsstation oder als mobile Kommandoleitstelle für das Krisenmanagement.

„Jetzt arbeiten die Cegelec Défense- und SAMU 31-Teams an einem zweiten Prototyp, dessen Entwicklung so gut wie abgeschlossen ist“, erklärt Gilles Laborde. „Es handelt sich um eine mobile chemische Dekontaminationseinheit, mit der je nach Konfiguration 100 – 150 Opfer pro Stunde behandelt werden können“, präzisiert Frédéric Tribet.

Längerfristig steht noch ein weiteres Projekt namens DOMUS auf dem Plan, ein kuppelförmiges Modul für sensorische Simulationen in Toulouse. „Ziel ist es hier, Einsatzkräfte für Notfälle auszubilden und für Übungszwecke Extremsituationen zu simulieren. Das ist eine Premiere in Europa“, erläutert der Geschäftsführer von Cegelec Défense.

14/01/2021