Angesichts von Urbanisierung und Lichtverschmutzung setzen Gebietskörperschaften auf Grüne, Blaue und Dunkle Korridore zur Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit. Dabei handelt es sich um Grünflächen, Gewässer bzw. Lebensräume ohne Lichtstörungen, über die sich die Tiere zwischen verschiedenen Lebensräumen bewegen und an den Klimawandel anpassen können. Beispiele und lokale Innovationen mit Citeos.

Viele französische Gemeinden fragen sich derzeit, wie Stadtentwicklung, Biodiversität und sparsame Beleuchtung unter einen Hut zu bringen sind. Gleichzeitig ging es bei den jüngsten Debatten über Lichtverschmutzung und Bodenversiegelung vermehrt um das Konzept der Ökologischen Korridore.
Die Grünen, Blauen und seit neuestem auch Dunklen Korridore sind ein grundlegender Baustein für die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit, die durch Städtebau, Infrastrukturen und die Fragmentierung der natürlichen Lebensräume in Frage gestellt wurde.
Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit
Ökologische Korridore dienen in einer zunehmend vom Menschen geprägten Umwelt zur Vernetzung von Lebensräumen, damit sich Lebewesen bewegen, ernähren, fortpflanzen und an den Klimawandel anpassen können.
Ein Grüner Korridor besteht aus Grünflächen, die sich günstig auf die Biodiversität auswirken (Wälder, Hecken, Wiesen, Brachen, Parks oder Ökologische Korridore) und dient dazu, Lebensräume miteinander zu verbinden. Er fördert die Verbreitung zahlreicher Pflanzen und Tiere, begrenzt die Isolierung von Populationen und hilft unmittelbar gegen Bodenversiegelung. Die Wiederherstellung eines Feldrains, die Verbindung von zwei städtischen Parks oder die Erhaltung einer Brachfläche sind Maßnahmen, die der Natur ihre Bewegungsfreiheit zurückgeben.
Ein Blauer Korridor betrifft Gewässer wie Wasserläufe, Feuchtgebiete, Küstenstreifen oder Auen. Diese Lebensräume wurden durch Staudämme zerstückelt, durch Flussbegradigungen verändert und durch Umweltverschmutzungen in Mitleidenschaft gezogen. Häufig benötigen sie besondere Aufmerksamkeit, damit sich Fische, Sedimente und allgemein vom Wasser abhängige Spezies wieder frei bewegen können. Die Renaturierung von Ufern, die Wiederherstellung eines Weihers oder der Bau einer Fischtreppe können oft stark beeinträchtigte Naturräume wieder miteinander verbinden.
Dunkle Korridore sind jüngeren Datums, werden jedoch zunehmend zum lokalpolitischen Thema: Dabei geht es um das lange unterschätzte Thema Lichtverschmutzung. Zuviel Kunstlicht verursacht erhebliche Störungen nachtaktiver Spezies (Fledermäuse, Insekten, Amphibien, Vögel) und verändert deren Bewegungs-, Fortpflanzungs- und Jagdverhalten. Deshalb sollen durch die Neuordnung der öffentlichen Beleuchtung und den Erhalt von völlig dunklen Gebieten Streifen ohne Kunstlicht geschaffen werden – unabdingbar für gut funktionierende Ökosysteme. Operativ wird das mehr und mehr durch geringere Lichtintensität, nach unten gerichtete Leuchten und Nachtabschaltungen umgesetzt.
Anpassung an den Klimawandel
Diese drei Ökologischen Korridore sind als ganzheitliche Vision in der französischen Umweltgesetzgebung festgeschrieben. Sie ermöglichen die Anpassung an den Klimawandel, weil Spezies in für sie günstigere Bereiche wandern können, und sind in die lokale Raumplanung integriert: Das gilt für die Regionalen Leitpläne für die ökologische Durchgängigkeit (SRCE), die Stadtplanung vor Ort (PLU), die frankreichweite Biodiversitätsstrategie sowie für europäische Vorschriften, etwa die Natura 2000-Richtlinie.
Ein wesentlicher Resilienzfaktor gegenüber Klima- und Umweltkrisen.
Über den Rechtsrahmen hinaus laden diese Korridore zu einer Neuordnung der Raumplanung ein: Verbinden statt zergliedern, Sanieren statt Kanalisieren und dort für Dunkelheit sorgen, wo es der Biodiversität nützt. Außerdem ebnen sie den Weg für konkrete Projekte der Gebietskörperschaften, manchmal in Zusammenarbeit mit entsprechenden Fachfirmen.
Umfassende Expertise von Citeos
Citeos ist eine Tochterfirma von VINCI Energies, die sich auf Lösungen im Bereich Energieeffizienz, klimafreundliche Mobilität sowie Aufwertung und Schutz des städtischen Raums spezialisiert hat. Sie verfügt über umfassendes Fachwissen in diesem Bereich. „Über Dunkle Korridore wird zwar erst seit kurzem gesprochen, aber bei Citeos beschäftigen wir uns bereits seit über zehn Jahren mit dem Thema“, erklärt Antoine Gilmant, Leiter der Business Unit Citeos Ingénierie Nord.
Mit ihrer geballten Erfahrung und zur Unterstützung der Unternehmen von VINCI Energies bei der Identifizierung von Dunklen Korridoren in ihrem Umfeld entwickelte Citeos 2024 ein Tool, das die Daten der Naturschutzgebiete im nordfranzösischen Departement Somme zusammenführt. So entstand eine Landkarte, auf der die VINCI Energies-Tochter durchgängige Bereiche oder Ökologische Korridore ausgemacht bzw. eingerichtet hat.
„Das Tool umfasst einen Katalog mit bedarfsgerechten Lösungen (orangefarbene Beleuchtung, Bewegungsmelder, Blenden zur besseren Ausrichtung der Beleuchtung, niedrigere Laternenmasten usw.). Es existiert jetzt auch für die Departements Oise und Aisne und bald für die Departements Nord und Pas-de-Calais“, so der BU-Leiter.
Konkrete Maßnahmen vor Ort
Citeos ist auch und vor allem für Kommunen tätig. 2025 waren dies unter anderem die nordfranzösischen Gemeinden Faches-Thumesnil und Biache-Saint-Vaast.
Faches-Thumesnil hatte den ökologischen Notfall ausgerufen und Citeos nicht nur mit der Renovierung der Stadtbeleuchtung beauftragt, sondern auch der Kartierung der Dunklen Korridore auf dem Gemeindegebiet. „Anhand dieser Arbeitsgrundlage“, erzählt Gilmant, „schlugen wir den Umstieg auf orangefarbene Beleuchtung vor, außerdem die Montage von Bewegungsmeldern und Blenden zur Ausrichtung der Beleuchtung sowie Nachtabschaltungen in den grünen, blauen und dunklen Bereichen sowie in den Ökologischen Korridoren, die wir zur Verbindung zwischen den verschiedenen Flächen eingerichtet hatten.”
In Biache-Saint-Vaast installierte Citeos mehrere ähnliche Systeme, um ein Feuchtgebiet zu schützen.
Um die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit in der Stadt wie auf dem Land zu beschleunigen, wollte Citeos die Auswirkungen der implementierten Lösungen messen. „Wir haben Ultraschallsensoren installiert, mit denen wir über 80 Tierarten in den von uns umgestalteten Bereichen nachweisen können“, erläutert Gilmant. Der BU-Leiter will zudem eine Forschungspartnerschaft mit der Universität Lille zum Thema Lichtverschmutzung aufbauen.
Citeos ist nämlich davon überzeugt, dass Biodiversität nicht nur „schmückendes Beiwerk“ ist, sondern eine wichtige Lebensgrundlage darstellt und die Resilienz gegenüber Klima- und Umweltkrisen verbessert.
20/05/2026