„In Afrika steckt die Förderung der Elektromobilität noch in den Kinderschuhen“
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Dr. Yao Tsoekeo Amedokpo ist Geograf und Forscher am Labor für urbane Mobilität der französischen Bauingenieurs-Hochschule „École Nationale des Ponts et Chaussées“*. In unserem Interview befragen wir ihn zur Elektrifizierung des Verkehrssektors in Afrika.

Wie sieht es in Afrika mit der Verkehrswende aus?
Yao Tsoekeo Amedokpo. Afrika steht noch ganz am Anfang – laut Internationaler Energieagentur fahren weniger als 1 % der neu zugelassenen Fahrzeuge mit Strom. Allerdings ist an vielen Orten eine echte Dynamik festzustellen. Insbesondere Zweiräder werden zunehmend elektrisch angetrieben. Beschleunigt wird diese Verkehrswende durch die Dringlichkeit der vom Klimawandel verursachten Probleme und dynamische, neue Akteur:innen, insbesondere sehr innovative Start-ups.
Die Entwicklung verläuft nicht auf dem gesamten Kontinent gleichmäßig. Es gibt eine Reihe von Epizentren im Süden und Osten: Zu nennen wären hier Südafrika auf der einen Seite und das Trio aus Kenia, Uganda und Ruanda auf der anderen, die mit gutem Beispiel vorangehen. Auch West- und Nordafrika machen Fortschritte. Zentralafrika hinkt allerdings hinterher.
Wie könnte man die afrikanische Elektrifizierungspolitik beschreiben?
Y.T.A. In Afrika steckt die Unterstützung der öffentlichen Hand für die Elektromobilität noch in den Kinderschuhen. Auch wenn das Thema nicht neu ist, begann die Politik erst in den letzten fünf Jahren mit Fördermaßnahmen.
Laut einer aktuellen Studie haben nur 30 der 54 afrikanischen Staaten Regelungen unterschiedlicher Intensität eingeführt – die Spanne reicht von echten landesweiten Mobilitätsstrategien bis zur Änderung einzelner haushaltsrechtlicher Bestimmungen.
„Die Elektromobilität ist in Afrika mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert.”
Der Vergleich dieser Maßnahmen zeigt, dass es zwei unterschiedliche Logiken gibt: eine Flottenpolitik einerseits, eine Industriepolitik andererseits. Im ersten Fall geht es darum, insbesondere steuerliche Anreize für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten zu setzen. So werden etwa keine Import-, Umsatz- oder Verbrauchssteuern erhoben. Im zweiten Fall soll die Herstellung oder Endmontage vor Ort gefördert werden. Dafür gibt es zielgerichtete, Leistungskriterien unterworfene Beihilfen. Das gilt derzeit für weniger als ein Dutzend Länder, darunter Südafrika, Ägypten, Kenia, Uganda, Nigeria und Ruanda.
Schließen sich Flotten- und Industriepolitik gegenseitig aus?
Y.T.A. Idealerweise eigentlich nicht. Aber in der Realität ist das noch immer häufig der Fall. Von 54 afrikanischen Ländern unterstützen etwa dreißig die Elektrifizierung des Verkehrssektors. Und nur ein knappes Dutzend setzen sowohl auf eine Flotten- als auch auf eine Industriepolitik.
Wo liegen die größten Hindernisse für die afrikanische Verkehrswende?
Y.T.A. Die Elektromobilität ist mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert: unerschwingliche Fahrzeugpreise, niedriges Pro-Kopf-Einkommen, starke Abhängigkeit vom Gebrauchtwagenmarkt, fehlende Ladeinfrastruktur, häufige Stromausfälle. Das Thema Umweltschutz verschwindet in der öffentlichen Debatte zudem hinter den wirtschaftlichen Sorgen der privaten Haushalte. Zudem kümmert sich die Forschung kaum um die Mobilitätssysteme afrikanischer Metropolen – außer vielleicht in Südafrika. Um hier jedoch voranzukommen und die richtigen Entscheidungen zu treffen, braucht die Politik dringend Daten.
Mit welchen Stellhebeln kann die Elektrifizierung beschleunigt werden?
Y.T.A. Zu nennen wären die Verbesserung der politischen Förderung, die Entwicklung der Ladeinfrastruktur und die Steigerung des erneuerbaren Anteils am Strommix sowie die industrielle Fertigung vor Ort.
Weitere Stellhebel sind eine zielgerichtete Förderung bestimmter Verkehrsmittel (insbesondere Zwei- und Dreiräder sowie Kleinbusse und Busse). Gleichzeitig sollte in Sachen Elektromobilität auf inklusive Carsharing- und Mietmodelle (etwa Pay-As-You-Go und Battery-As-a-Service) anstatt auf den Kauf von Elektrofahrzeugen gesetzt werden, denn der Kaufpreis stellt eine erhebliche Einstiegshürde dar.
*Gemeinsame Forschungseinrichtung der École Nationale des Ponts et Chaussées und der Gustave-Eiffel-Universität.
18/06/2026