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© STIF, Transdev

Ab 2025 sollen sämtliche Busse in den französischen Großstädten umweltfreundlich fahren. In Argenteuil bei Paris wurde bereits in eine intelligente Ladeplattform investiert.

Immer mehr Nahverkehrsunternehmen setzen auf vollelektrisch angetriebene Busse. Seit Mai 2016 gibt es eine Pariser Buslinie, auf der ausschließlich Elektrobusse verkehren. Bereits im April 2017 wird Argenteuil, eine Stadt im Nordwesten von Paris, nachziehen. Langfristig sollen hier zehn Elektrobusse in Dienst gestellt werden. Für die Fahrgäste wird sich nichts ändern, weder bei den Linien noch bei den Haltestellen. Für die Gemeinde und den Betreiber bedeutet dieser Schritt aber ein neues Mobilitätssystem: bedarfsgerechter, intelligenter, anpassungsfähiger und vor allem deutlich umweltfreundlicher!

Die Umstellung auf Elektroantrieb bringt allerdings auch einige Herausforderungen mit sich: Auslegung und Ausstattung der Busdepots, Stromversorgung, Überwachung von Lade- und Standzeit, Reichweite und Kilometerleistung für jedes einzelne Fahrzeug.

„Die Herausforderung besteht darin, die Reichweite der Busse sicherzustellen und gleichzeitig Verbrauchsspitzen beim Ladevorgang zu vermeiden. Hier sind intelligente Infrastrukturen gefragt.“

Wie bei anderen Akkugeräten auch, müssen die Batterien von Elektrobussen nach Dienstende im Busdepot wieder aufgeladen werden. Technisch gesehen ist die Stromversorgung eines Demobusses einfach und beherrschbar. In diesem Fall jedoch muss der Betreiber im Alltagsbetrieb vom Einzelexemplar auf eine ganze Flotte umstellen.

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„Große Busdepots sind bei uns in Frankreich häufig für bis zu 250 Busse zuständig. Die Herausforderung besteht deshalb darin, Verbrauchsspitzen beim Ladevorgang zu vermeiden. Das sorgt für geringere Investitionen (optimierte Ladeinfrastruktur) und niedrigere Betriebskosten (Kosten für Stromanschluss und -versorgung). Hier sind intelligente Infrastrukturen gefragt: Sie regulieren und begrenzen die erforderliche elektrische Leistung und gewährleisten gleichzeitig die notwendige Reichweite der Busse“, erläutert Nicolas Héritier, Urban Transport VP für Mobility, eine Gesellschaft von VINCI Energies, die sich mit Planung, Ausstattung, Management und Absicherung von Verkehrsinfrastrukturen befasst und die in Argenteuil implementierte Lösung entwickelt hat.

Vorausschauendes Flottenmanagement

Wie überall hängt die Intelligenz des Systems von der Fähigkeit ab, Daten zu sammeln und zu Informationen zu verarbeiten. Wie funktioniert das? Die von Mobility implementierte Plattform namens CWay sammelt und verarbeitet unterschiedliche Datentypen, etwa den Batterieladezustand der im Depot ankommenden Busse, ihre Einsatzpläne (Abfahrtszeit, geplante Kilometerleistung am Folgetag), das Wetter, Verkehrslage usw.

Durch die Analyse dieser Daten kann das System unter Berücksichtigung des voraussichtlichen Energiebedarfs jedes einzelnen Fahrzeugs ein Ladeangebot festlegen und die Stromverbrauchskurve glätten. Sie liefern auch wertvolle Informationen über den Flottenzustand, für die Maintenanceplanung und die Beschaffung von Ersatzfahrzeugen.

Über den Betrieb einer festgelegten Anzahl von Bussen hinaus ist das System so offen ausgelegt, dass es sich an spätere Vergrößerungen der Busflotte anpassen lässt. Das vermeidet übermäßige Anfangsinvestitionen und ermöglicht eine kontrollierte Weiterentwicklung des elektrisch angetriebenen Wagenparks.

100 % umweltfreundliche Busse bis 2025

Auch wenn der Elektrobusmarkt bisher noch kaum eine Rolle spielt, wird er sich rasch entwickeln. Gründe dafür sind die Senkung des Klimagasausstoßes, die Verbesserung des Fahrkomforts und ein attraktiveres Angebot für die Gebietskörperschaften, aber auch wachsender Regulierungsdruck: In Frankreich wurde am 11.01.2017 ein Erlass über klimafreundlichen Busverkehr verabschiedet. Er sieht vor, dass alle Städte mit über 250.000 Einwohnern oder mit einem Klimaschutzplan ab 2020 immer mehr umweltfreundliche Busse kaufen, um bis zum Jahr 2025 die 100 % zu erreichen.

03/04/2017