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Bis zu den Olympischen Spielen 2024 soll der Großraum Paris ein Netz von Wasserstofftankstellen bekommen. France Ingénierie Process (VINCI Energies) baut die besonders leistungsfähige Tankstelle Porte de Saint-Cloud in Paris.

Die neue Wasserstoff-Tankstelle an der Porte de Saint-Cloud in Paris wird demnächst Europas erste Flotte wasserstoffbetriebener Fahrzeuge versorgen. Im Moment kommt der Wasserstoff noch in Tanklastern zur Station, ab Ende März 2022 wird mit einem Elektrolyseur auch vor Ort Wasserstoff gewonnen.

So kann der Standort zunächst bis zu einer Tonne, auf längere Sicht 1,5 Tonnen grünen Wasserstoff pro Tag aus nachweislich erneuerbaren Energien des französischen Stromversorgers EDF produzieren und vertreiben. Diese Menge reicht für 200 bis 300 Tankfüllungen à 5 kg Wasserstoff täglich (1 kg ergibt eine Reichweite von ungefähr 100 km).

Die Kapazität der Wasserstofftankstelle an der Porte de Saint-Cloud ist weitaus größer als die der fünf anderen Tankstationen, die bislang in der Stadt und im Großraum Paris (an den Standorten Alma, Orly, Roissy, Versailles, Porte de la Chapelle) existieren und maximal 200 kg pro Tag bereitstellen können. Dieses H2-Tankstellennetz ist eine Initiative von HysetCo.

Dabei sein ist alles – Großraum Paris bekommt etwa 15 Stationen für die Olympischen Spiele

Bis 2024 möchte HysetCo etwa 15 Stationen im Großraum Paris eröffnen. Mit staatlicher und städtischer Förderung will dieser neue Player die Wasserstoffmobilität in Schwung bringen und hat deshalb (mit einer Kofinanzierung von 50 %) in den Bau der Station Porte de Saint-Cloud investiert.

Damit dieses Projekt ein Erfolg wird, setzt HysetCo auf die VINCI Energies-Tochter FIP (France Ingénierie Process). Die auf Produktions-, Lager- und Verteilanlagen für die Prozessindustrie (Öl, Gas, Chemie usw.) spezialisierte BU wurde mit der allgemeinen und der Piping-Vorplanung sowie mit der Integrationsplanung der diversen Anlagenteile und -komponenten beauftragt (Elektrolyseur, Kompressoren, Lagerbehälter, Verteiler, Wärmetauscher, Kältemaschinen usw.).

FIP hat nicht nur die verschiedenen Pläne und das 3D-Modell der Station erstellt, sondern war auch an der Festlegung des Verfahrens zur Wasserstoff- und Medienversorgung sowie an der Ausarbeitung des P&ID(1) und des U&ID(2) des Projekts beteiligt.

Ein Dutzend Gewerke im Boot

Die BU von VINCI Energies ist auch für die Installation, den Anschluss und die Inbetriebnahme der Anlagen zuständig. „Die erste Herausforderung, die wir zu bewältigen haben, betrifft den Elektrolyseur. Man hat sich für ein PEM-Modell (Protonenaustauschmembran) entschieden, eine neue Gerätegeneration, die einen höheren Wirkungsgrad als die alkalische Technologie bietet. Bisher gibt es jedoch noch kaum Erfahrungswerte dazu. Wir müssen also viel testen, parametrieren und einstellen, um die Zuverlässigkeit und Leistung der Anlage sicherzustellen“, betont Ismaël Soccio, BU-Leiter von FIP.

„Zur Sicherstellung der Kommunikation zwischen allen Komponenten, die von verschiedenen Herstellern stammen, ist es ratsam, alles selbst zu integrieren, um den Prozess besser zu beherrschen.“

Angesichts der Komplexität des Projekts, an dem mehr als ein Dutzend Gewerke beteiligt sind (Elektrik, Rohrleitungsbau, Gasinstallation, Kompressor- und Kältetechnik, Metallbau, Tiefbau, IT und Prozessautomatisierung…) hat sich FIP für die Integration und den Bau schlüsselfertiger Anlagen entschieden. „Zur Sicherstellung der Kommunikation zwischen allen Komponenten (Kompressoren, Kühlsysteme bis -40 °C und Lagertanks mit 1000 bar Druck), die von verschiedenen Herstellern stammen, ist es ratsam, alles selbst zu integrieren, um den Prozess besser zu beherrschen”, unterstreicht Ismaël Soccio.

Die letzte Herausforderung, die es zu bewältigen gilt, ist die Sauberkeit. „Bei einem so leichten und flüchtigen Gas darf kein Staub oder Schmutz in das Rohrsystem aus Edelstahl dringen. Daher müssen wir sehr stringente Reinigungsverfahren und Spezialprodukte anwenden”, fügt der FIP-Manager hinzu.

Die Tragweite dieses Projekts und sein innovativer Charakter sind für die Engineeringfirma von VINCI Energies eine hervorragende Gelegenheit, ihre Kompetenzen auf das Gebiet der erneuerbaren Energien auszuweiten. Zudem hat sich FIP vor kurzem an einer Ausschreibung für den Bau einer weiteren Wasserstofftankstelle in Créteil (Val-de-Marne) beteiligt, dieses Mal unter der Federführung von Suez und dem örtlichen Stromversorger. Zur künftigen Planung und Umsetzung von schlüsselfertigen Wasserstoffanlagen wurde sogar eine neue BU mit dem Namen Actemium Paris Solutions Hydrogène gegründet.

(1) P&ID: (Piping and Instrumentation Diagram): Ein Rohrleitungs- und MSR-Flussdiagramm, das alle Elemente eines industriellen Prozesses definiert.

(2) U&ID: (Utilities and Instrumentation Diagram): Ein Diagramm, das dem „P&ID“ ähnelt, sich aber auf die Medienversorgung bezieht.

22/04/2022