Bioenergie stand lange Zeit im Schatten der allumfassenden Elektrifizierung. Es stellt sich jedoch zunehmend heraus, dass sie für die französische Energiewende unerlässlich ist. Die Regierung verfolgt ehrgeizige Ziele, gleichzeitig sind die Grenzen der landwirtschaftlichen Produktion zu berücksichtigen und es stellt sich die Frage nach der Marktreife der unterschiedlichen Technologien. Die Branche, hauptsächlich vertreten durch Biogasanlagen, steht an einem Scheideweg.

In Sachen Energiewende dreht sich die öffentliche Debatte hauptsächlich um die Elektrifizierung. Bioenergie tritt dabei in den Hintergrund. Dabei ist sie eine wichtige Säule der von der Regierung verfolgten Strategien. Sie wird aus Biomasse wie Holz, Abfällen aus der Landwirtschaft, Biomüll gewonnen und entsteht in Form von Wärme, Strom, Biogas oder Biokraftstoffen. In Frankreich liefert Bioenergie heute 150 bis 170 Terawattstunden (TWh) pro Jahr, etwas über 10 % des Endenergieverbrauchs.
Frankreich möchte 2050 klimaneutral sein. Dazu setzt die Regierung auf zwei komplementäre Strategien: Massive Elektrifizierung überall dort, wo dies möglich ist, und umfassende Nutzung von Bioenergie in schwer elektrifizierbaren Bereichen. Die staatlichen Ziele sind ehrgeizig: In der Mehrjahresplanung für den Energiesektor werden beispielsweise 44 TWh/Jahr Biogas angestrebt – derzeit sind es etwa 15 TWh.
Insgesamt könnte der Bedarf an klimaneutralem Gas bis 2050 auf über 300 TWh steigen. „Die vor einigen Jahren von der Branche veröffentlichten Studien gingen von einer Produktion von etwa 100 TWh in Biogasanlagen* aus, von 100 TWh über Power-to-Gas** und 100 bis 140 TWh über Biomassepyrolyse***, erläutert Laurent Pauchard, Gründer und Geschäftsführer von Methalac, ein Unternehmen von VINCI Energies, das seit 2012 auf Planung, Bau, Instandhaltung und biologisches Monitoring von landwirtschaftlichen Biogasanlagen spezialisiert ist. Allerdings war man anfangs zu optimistisch, was die Verfügbarkeit nachhaltig gewonnener Biomasse angeht. In der jüngsten Fassung der französischen Klimastrategie wurden die Produktionsprognosen für klimaneutrales Gas abgesenkt, außer bei Biogasanlagen. Hier geht man weiterhin von 105 TWh aus, insbesondere aufgrund der technischen Marktreife und der Verfügbarkeit der Rohstoffe.
Soviel Energie wie zwei Kernreaktoren
Jährlich produziert die französische Landwirtschaft etwa 245 Millionen Tonnen Bio-Trockenmasse. Sie wird hauptsächlich als Futtermittel, für die menschliche Ernährung, als Dünger sowie in sehr geringem Maße zur Energieerzeugung genutzt. Der zusätzliche Bedarf an Bioenergie bis 2050 wird allerdings auf 30 bis 60 Millionen Tonnen geschätzt.
Deshalb muss das Thema stärker in den Blickpunkt rücken und in der Gesellschaft diskutiert werden – nur so kann eine stimmige öffentliche Politik entstehen.
„Derzeit weist die Biogaserzeugung den höchsten Reifegrad auf. Power-to-Gas und Pyrolysegaserzeugung sind mehr oder weniger im Pilotstadium und können noch nicht im großtechnischen Maßstab umgesetzt werden“, stellt Sylvain Masnada fest, Vertriebsleiter bei Méthalac.
„Derzeit weist die Biogaserzeugung den höchsten technischen Reifegrad auf.”
Deutschland ist mit 10.000 Biogasanlagen europäischer Vorreiter in diesem Bereich, danach kommt Frankreich mit etwa 1.800 Anlagen. 800 davon speisen Biogas direkt in die Gasnetze ein. „2025 produzierte Frankreich 15,5 TWh Biogas, das entspricht der Leistung von zwei Kernreaktoren“, so Pauchard.
Ein großer Vorteil von Biogas ist der geringe CO2-Fußabdruck. „Die EU-Richtlinien RED II und RED III schreiben in der Tat vor, dass die Treibhausgasemissionen des gesamten Biogas-Lebenszyklus bei Neuanlagen mindestens 70 % unter denen von fossilem Erdgas liegen müssen. Außerdem verwerten immer mehr Anlagen das anfallende CO2, beispielsweise in Gewächshäusern oder in der Lebensmittelindustrie, etwa in Brauereien.”
*Biogaserzeugung: Biologisches Verfahren zur Gaserzeugung durch anaerobe Vergärung organischer Stoffe.
**Power-to-Gas: Chemisches Verfahren, bei dem unter Verwendung eines Katalysators aus Wasserstoff (H₂) und Kohlendioxid (CO₂) synthetisches Methan (CH₄) hergestellt wird.
***Pyrolysegaserzeugung: Thermochemisches Verfahren, bei dem Biomasse unter sehr hohen Temperaturen (800–1 500 °C) und Sauerstoffabschluss in ihre elementaren Bestandteile zerlegt wird.
Solides Fachwissen in der Biogaserzeugung
Méthalac ist ein 2012 gegründetes Fachunternehmen für Biogasprojekte. Im Laufe der Jahre hat es sich ein solides Fachwissen in diesem Bereich erarbeitet. Das Unternehmen deckt den kompletten Biogas-Produktionsprozess ab, „vom Engineering über Rohrleitungsbau, Prozessautomatisierung, Instandhaltung und biologisches Monitoring bis hin zur Installation der Mischanlage, und vom Einbau der Phasenabscheider* bis hin zur technischen Ausrüstung der Fermenter (Heizung, Sensoren, Rührwerke, Gastanks usw.)“, erläutert Sylvain Masnada, Vertriebsleiter dieses Unternehmens von VINCI Energies.
So hat es vor kurzem das Biogasverfahren von MW Bioénergie implementiert, einem 2025 in den französischen Alpen gegründeten Unternehmen. Eines der ehrgeizigsten Projekte ist wahrscheinlich Méthamoly, das 2019 von zwölf Landwirten aus der Gegend um Lyon angestoßen wurde. Die Anlage verarbeitet jährlich etwa 22.000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe und produziert 14,5 GWh Energie.
„Méthamoly liefert Wärme für 2.780 Bürger:innen und speist eine Biogastankstelle für etwa dreißig Fahrzeuge. Außerdem produziert sie 20.000 Tonnen Gärreste, die als Dünger eingesetzt werden“, so Masnada weiter. Vor kurzem ging außerdem eine Anlage zur Verwertung des anfallenden CO2 in Betrieb. „Dadurch entsteht ein positiver Kreislauf, zumal Biogas ein nicht intermittierender erneuerbarer Energieträger ist.”
*Der Phasenabscheider übernimmt die Trennung der Gärreste aus dem Fermenter in flüssige und feste Bestandteile.
15/10/2026