Die Sanierung dieser weltberühmten französischen Kulturerbestätte, die anlässlich der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in Paris wiedereröffnet wurde, war ein „XXL“-Projekt, an dem auch VINCI Energies mitwirkte. Mit entsprechend hohen Anforderungen an die Organisations- und Anpassungsfähigkeit unserer Business Units.

©Raphaël Soret
Von 2022 bis 2025 lief mitten in Paris eine Baumaßnahme mit wahrhaft gigantischen Dimensionen: Die Renovierung des Grand Palais, einem der bekanntesten Bestandsgebäude der „Lichterstadt“. Der Bauherr, der französische Museumsverband RMN, verfolgte dabei zwei Ziele: Die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 in Paris sollten unter der größten Glaskuppel Europas ausgetragen werden; gleichzeitig ging es um die Ertüchtigung der gesamten technischen Anlagen des über hundert Jahre alten Bauwerks.
Zwei Argen von VINCI Energies wurden mit den technischen Losen beauftragt. Das Projektvolumen belief sich auf über 54 Mio. Euro. Das Programm sah die komplette Neuordnung der Elektroinstallationen vor, die Montage eines Brandschutzsystems der Klasse A mit Wärmebildkameras sowie die Erneuerung der Heizungs-, Belüftungs- und Klimatechnik. Sämtliche Equipments können von einer zentralen Gebäudeleitwarte gesteuert werden. In den drei insgesamt 72.000 m2 großen Gebäuden am Standort wurde eine Hypervisionslösung installiert.
Vier Business Units waren dafür im Einsatz: Cegelec Tertiaire IDF und Saga Tertiaire übernahem das Los HKL-Sanitär; Phibor Entreprises und Citeos Grands Projets en IDF die Stark- und Schwachstrominstallationen sowie die Bauwerksbeleuchtung. Bis zu 400 Mitarbeitende installierten 50 km Kabeltrassen, 2.000 km Kabel, 200 Schaltanlagen und -schränke, 125 IT-Schränke sowie Tausende von Endgeräten, aber auch 35 km Wasser- und Abwasserleitungen.
112 Unterabschnitte und 86 Lose
„Dieses Projekt war zwar nicht unser bisher größtes, aber unser komplexestes“, versichert Patrick Pulcrano, Hauptprojektleiter bei VINCI Energies – und das, obwohl XXL-Projekte für ihn nichts Ungewöhnliches sind, etwa die Pariser DUO-Wolkenkratzer oder die Paris La Défense Arena in Nanterre. Zur komplexen Logistik der Baustelle am Seine-Ufer, mitten im elegantesten Stadtviertel von Paris, gesellten sich erhebliche Herausforderungen bei der Bauablaufplanung und Organisation. Tatsächlich waren zahlreiche Gewerke gleichzeitig in dem in 112 Baustellen-Unterabschnitte aufgegliederten Baufeld tätig.
„Das Projekt war in 86 Lose unterteilt, die meistens direkt vom Bauherrn gesteuert wurden. Deshalb mussten wir an mehreren Orten gleichzeitig arbeiten, Seite an Seite mit mehreren Dutzend weiteren Gewerken und Unternehmen“, erzählt Mathieu Juin, Leiter der BU Citeos Grands Projets en IDF, die für die Bauwerksbeleuchtung zuständig war.
„Dieses Projekt ist nicht unser bisher größtes, aber unser komplexestes.”
Zu Spitzenzeiten waren bis zu 1.000 Arbeiter:innen auf der Baustelle, davon allein 400 von VINCI Energies. Das BIM (Building Information Modeling) ermöglichte zwar die Modellierung der Schnittstellen zwischen sämtlichen Gewerken und die Lösung von räumlichen Konflikten zwischen den unterschiedlichen Losen, aber dennoch mussten sich die Teams ständig auf neue Gegebenheiten einstellen, die erst während der Abrissarbeiten zutage traten. „Insgesamt haben wir fast 700 technische Änderungsanzeigen gezählt. Jedes Mal mussten wir Lösungen finden, die möglichst wenig Auswirkungen auf die anderen Tätigkeiten hatten, damit der Terminplan gehalten werden konnte“, erläutert Pulcrano.
Lagerbestände bereiten Kopfzerbrechen
Es herrschte also emsiges Treiben auf der Baustelle, ständig kam es zu Änderungen – da geriet die Verwaltung der Lagerbestände zum Geduldsspiel. „Allein für unser Los Beleuchtung mussten wir über 70 Leuchtenmodelle mit unterschiedlicher Optik, Größe, Verarbeitung montieren. Jede Änderung hatte Auswirkungen auf die vorzuhaltenden Lagerbestände“, unterstreicht Juin.
In den Ausstellungsräumen wurden insgesamt etwa 2,3 km Bilderschienen mit der entsprechenden Lichttechnik installiert, so dass die Lichtinszenierung an die verschiedenen Veranstaltungen angepasst werden kann. Citeos zog über 140 km Kabel. „Der Standort ist jetzt regelrecht gespickt mit Lichtquellen – insgesamt über 10.000. Bei jedem Schritt mussten wir die Gesamtarchitektur des Gebäudes mitberücksichtigen und gleichzeitig den Baukörper optimal ausleuchten“, erläutert er.
Große Flexibilität
Die Modernisierung der technischen Ausrüstungen eines denkmalgeschützten Gebäudes wie dem Grand Palais erfordert eine enorme Flexibilität. Die Teams von Phibor, die insbesondere für die Montage der Hauptkabeltrassen zuständig waren, können dies nur bestätigen. Während der Bauphase gab es derart viele Vorgaben, dass die Arbeiten eigentlich hätten eingestellt werden müssen – deshalb schlug Phibor vor, einen Großteil der Hochspannungsversorgung unterirdisch zu verlegen. Ursprünglich war eine offene Kabeltrasse geplant.
Bei der Sanierung des Grand Palais passierte also viel Unvorhergesehenes, gleichzeitig wurden archäologische Entdeckungen gemacht – die Teams hatten deshalb alle Hände voll zu tun, um mit viel Flexibilität und Einfallsreichtum den Terminplan zu halten. Eine Meisterleistung, für die die Teams von VINCI Energies durch das Kultusministerium mit dem Ritterorden der Künste und Literatur (Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres) ausgezeichnet wurden.
Kennzahlen
72.000 m² Gesamtfläche, verteilt auf die drei Gebäude des Grand Palais
4 Business Units von VINCI Energies in 68 Losen und 112 Bauabschnitten im Einsatz
Bis zu 1.000 Personen im französischen Integrationsprogramm für Migrant:innen PIC haben auf der Baustelle gearbeitet, davon allein 400 bei den VINCI Energies-ARGEN
2 000 km Kabel, 50 km Kabeltrassen, 200 Schaltanlagen und -schränke, 125 IT-Racks wurden installiert
700 Änderunganzeigen gingen während der Baumaßnahmen ein
18/06/2026