Häfen von Tarifa und Algeciras setzen Kurs auf die Energiewende
Lesezeit: 4 min.
Die beiden Häfen an der Südspitze Spaniens implementieren ein wichtiges Projekt für eine nachhaltigere Seeschifffahrt. Mit von VINCI Energies entwickelten Landstromversorgungen (OPS) können Fähren und Schiffe nach dem Anlegen ihre Maschinen abstellen und verursachen so deutlich weniger Luftschadstoffe und Lärm.

Die Dekarbonisierung des Schiffsverkehrs in Europa nimmt Fahrt auf. Im Rahmen des Green Deal und des Gesetzespakets „Fit for 55“ setzt die Europäische Union eine drastische Reduzierung der Emissionen von im Hafen liegenden Schiffen durch. Ab 2030 soll die Landstromversorgung, auch bekannt unter dem englischen Begriff OnShorePower Supply (OPS), in den größten europäischen Häfen zum Standard werden. Damit können Schiffe ihre Hilfsmaschinen abstellen und Strom aus dem Landnetz beziehen. Das sorgt für deutlich weniger Abgase und Lärm.
Vor diesem Hintergrund implementiert VINCI Energies mehrere strategische Projekte in den Häfen von Tarifa und Algeciras im Süden Spaniens. Die entsprechende Ausschreibung der Autoridad Portuaria de la Bahía de Algeciras war 2025 veröffentlicht worden. „Hauptziel ist die Ausstattung der Häfen mit der notwendigen Infrastruktur für die Stromversorgung der Schiffe“, erläutert Jose Ganado Olmedo, Leiter Häfen und Erneuerbare Energien bei VINCI Energies in Spanien.
Die Kais 2 und 3 des Hafens von Tarifa sowie die Kais 7b und 8 des Hafens von Algeciras wurden im Juni 2025 an VINCI Energies vergeben. „Bei der Ausschreibung haben wir unsere selbstentwickelte Lösung OnShoreBox mit 750 statt 400 kVA Kapazität angeboten“, erläutert Ganado Olmedo. Die Projekte starteten im Februar 2026, die Inbetriebnahme ist für das vierte Quartal 2026 geplant.
Tarifa: Elektrifizierung von Fähren und lokaler Flotte
In Tarifa bekommt der Anleger der Fährverbindung Tarifa-Tanger (Marokko) eine Landstromversorgung, ferner werden 36 weitere Anschlüsse für Fischtrawler, ein Patrouillenbot und eine Jacht montiert. Das Projekt umfasst die Installation einer Mittelspannungs-Schaltanlage (20 kV), eines eigenen 20/0,69 kV-Trafos, einer Schaltanlage für den Fischereihafen und die Verlegung der Stromleitungen bis zu den Anschlussboxen. Diese verfügen jeweils über zwei feste Anschlüsse mit einem Kabelmanagementsystem.
„Häfen wettbewerbsfähiger machen und regulatorischen Risiken vorbeugen.”
Die Umwelt profitiert erheblich von dieser Lösung. „Wir schätzen die jährliche Einsparung auf 1.148.000 kg CO2, 23.760 kg NOx, 7.920 kg SOx und 1.980 kg Feinstaub“, erläutert Genado Olmedo. Außerdem bedeutet das Abschalten der Hilfsmaschinen deutlich weniger Lärm und mehr Lebensqualität im städtischen Umfeld“.
Algeciras: Mehr Kapazität auf der Strecke nach Ceuta
In Algeciras werden die Fähren in die am nordafrikanischen Ufer gelegene und von Marokko umgebene spanische Exklave Ceuta mit Landstrom versorgt. Die Infrastruktur kann zeitgleich zwei Fähren mit 400 kVA oder eine Fähre mit 800 kVA speisen. Das Projekt umfasst einen Trafo mit 800 kVA Leistung, eine 20/0,69 kV-Umspannstation, den Kabeltiefbau und zwei feste Anschlüsse mit CMS. Dadurch werden geschätzt „1.913.000 kg CO2 eingespart, 39.000 kg NOx,13.200 kg SOx sowie 3.300 kg Feinstaub“.
Integrierte Lösung, anerkanntes Know-how
„Die OPS-Lösung wurde von VINCI Energies in Spanien geplant, integriert und gebaut“, unterstreicht Ganado Olmedo. Die OnShoreBox entspricht der internationalen Norm IEC/IEEE 80005 und „verfügt über ein umfassendes Steuerungs- und Überwachungssystem, so dass die Schiffe größtenteils automatisch angeschlossen und abgekoppelt werden können.“
Außerdem stützt sich die Business Unit auf die „langjährige Expertise von Omexom [Energieinfrastrukturmarke von VINCI Energies] bei Mittel- und Niederspannungsleitungen sowie Tiefbauarbeiten“, zudem auf die bereits in mehreren spanischen Häfen gesammelten Erfahrungen.
Ökologischer und ökonomischer Hebeleffekt
Neben der Reduzierung von Treibhausgasemissionen ziehen „Häfen mit einer solchen Stromversorgung Unternehmen an, die eine aktive ESG-Politik verfolgen“, bemerkt Ganado Olmedo. Das OPS „steigert die Wettbewerbsfähigkeit der Häfen und beugt regulatorischen Risiken vor“, denn die Vorschriften der Europäischen Union legen fest, dass Häfen mit hohem Verkehrsaufkommen zwischen 2030 und 2035 entsprechende Systeme installieren müssen.
„Trotz beträchtlicher Anfangsinvestitionen sind die Kosten letztlich geringer, als wenn der Strom mit Schiffsdiesel produziert würde – außerdem brauchen die Hilfsmaschinen so weniger Instandhaltung“, meint er abschließend.
Die Installation der OPS-Lösung in den Häfen Tarifa und Algeciras ist Teil eines Dekarbonisierungsprogramms im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie der Hafenbehörde.
10/09/2026