Die Stromerzeugung durch Windkraftanlagen auf dem Meer soll in den nächsten Jahrzehnten zügig ausgebaut werden. So der Plan der Europäischen Kommission. VINCI Energies hat in diesem Zukunftssektor mit Übernahme der Offshore-Sparte der EWE in Deutschland Position bezogen.

Europa will in Sachen Offshore-Windenergie einen Gang höher schalten. Am 19. 11. 2020 hat die Europäische Kommission ihre Roadmap vorgestellt. Die offshore erzeugte Energie soll von heute 12 GW bis 2030 auf 60 GW und bis 2050 auf 300 GW ausgebaut werden.

Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich die durchschnittliche Leistung der Offshore-Windparks praktisch verdoppelt

In den nächsten 30 Jahren sind dafür Investitionen in Höhe von bis zu 800 Milliarden Euro geplant. Laut Kommission bedeutet das zugleich die Schaffung von 62.000 neuen Arbeitsplätzen. In ihrem Strategiepapier geht sie von „300 GW installierter Offshore-Leistung aus, um bis 2050 ein integriertes klimaneutrales Energiesystem einzurichten. 

Europa bildet hier bereits die Speerspitze. Offshore-Windenergie konzentriert sich deshalb auf den alten Kontinent, weil er über den größten Meeresraum der Welt verfügt. „Fünf Länder (Großbritannien, Deutschland, Belgien, Dänemark und China) machen fast 95% der installierten Offshore-Windkraftleistung aus. Es handelt sich um einen Sektor mit starker Konzentration. Allerdings beginnen sich neue Länder zu positionieren, wie Taiwan, Südkorea, die Vereinigten Staaten usw.“, berichtet Sophie Meritet, Dozentin an der Universität Paris-Dauphine-PSL.

Der Anteil der Offshore-Windenergie an der europäischen Stromerzeugung betrug 2019 nur 2,3%. Allerdings wächst die Zahl der Windparks rasant, und das mit einer durchschnittlichen Leistung, die sich Wind Europe zufolge „innerhalb eines Jahrzehnts praktisch verdoppelt hat“. Hornsea One in Großbritannien, der größte in Betrieb befindliche Offshore-Windpark, verfügt über 1218 MW installierte Leistung. Weltweit rechnet Global Data bis 2030 mit einer Zunahme dieser Art von Energie um jährlich 16,2% auf 142 GW Gesamtleistung gegenüber 23,2 GW im Jahr 2019.

Großprojekte

„In Europa werden in den nächsten fünf Jahren etliche Großprojekte realisiert werden, so Michael Helbig, Integration Director von Omexom Deutschland. VINCI Energies hat im Dezember 2020 die deutsche EWE Offshore Service & Solutions GmbH, eines der Flaggschiffunternehmen der Branche, übernommen. Die in Omexom Renewable Energies Offshore GmbH umbenannte Firma mit 160 Mitarbeitenden ist fest entschlossen, mit ihren Fachkompetenzen Projektentwicklung, Engineering, Betriebsführung und Instandhaltung von Offshore-Windparks in dem sich ankündigenden Wettkampf an vorderster Front mitzuspielen.

Dogger Bank ist eines dieser europäischen Großvorhaben in der Nordsee vor der englischen Küste. Mit 3,6 GW Leistung wird dieses Ausnahmeprojekt ab Inbetriebnahme 2023 bis zu 6 Millionen Haushalte mit Strom versorgen können.

Frankreich hat sich bis 2028 ein Leistungsziel von 5,2 – 6,2 GW gesetzt. Bis 2023 sollen sechs neue Windparks in Fécamp (Seine-Maritime), Courseulles-sur-Mer (Calvados), Saint Nazaire (Loire-Atlantique), Le Tréport (Seine-Maritime), Saint-Brieuc (Côtes-d’Armor) und Noirmoutier (Vendée) mit ca. 3,3 MW Gesamtleistung errichtet werden.

Von signifikanter Größe ist auch das Baltic Eagle-Projekt in Deutschland, 30 km vor der Insel Rügen. Der neue Windpark mit 500 MW Leistung wird 475.000 Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen.

Marktchancen

„Omexom Renewable Energies Offshore hofft, über das Synergiepotenzial innerhalb von VINCI Energies die Chancen auf diesem Wachstumsmarkt voll nutzen zu können“, meint Michael Helbig und verweist dabei auf die Stärken dieser neuen Business Unit von VINCI Energies: „Wir verfügen über hervorragende Kompetenzen im Bereich Managementleistungen, ob Bestandsmanagement, Inspektions- oder Instandhaltungsleistungen für solche Anlagen wie auch die hohe Erfahrung in der  Realisierung  von neuen Windparks“.

Beim niederländischen Energieversorger Eneco konnte Omexom Renewable Energies Offshore, das neue Offshore-Kompetenzzentrum von VINCI Energies, durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Omexom Niederlande bereits vier Aufträge für Instandhaltungsleistungen in dessen Offshore-Windparks mit einer Laufzeit von fünf Jahren gewinnen.

„Wir befassen uns auch mit den französischen Projekten und sind dabei, an unserer Strategie letzte Hand anzulegen. Die erste größere Ausschreibung wird dieses Jahr erwartet“, fügt Michael Helbig hinzu und spricht auch vorbereitende Maßnahmen an, wie das Omexom Renewable Energies Offshore-Team an den Markt in den Vereinigten Staaten, Polen und Taiwan herangehen wird.

An Möglichkeiten fehlt es im Offshore-Sektor nicht, man denke nur an das Potenzial schwimmender Windkraftanlagen auf offener See, die nicht im Meeresgrund verankert sind.

15/06/2021