London hat 2003 als erste große Metropole die City-Maut eingeführt und schaltet nun im Kampf gegen Luftverschmutzung einen Gang höher. Die neu geschaffene, besonders emissionsarme Zone zielt auf Folgendes ab: weniger Individualverkehr, mehr ÖPNV, mehr Wege, die zu Fuß oder per Rad zurückgelegt werden.

Oslo und Madrid wollen nächstes Jahr ein komplettes Autoverbot in der Innenstadt durchsetzen. Kopenhagen und Berlin planen Radschnellwege. San Francisco will den Autoverkehr von der Market Street verbannen, einem der meistbefahrenen Stadtboulevards. Paris reduziert die Fahrspuren für den Autoverkehr … Viele Großstädte schlagen aufgrund der Folgen der Luftbelastung für die Gesundheit Alarm und visieren mit dem Kfz-Bestand die ärgsten Umweltverschmutzer an. London ist nicht ausgenommen von diesem Trend.

Seit dem 8. April 2019 stoßen Bewohner und Besucher der britischen Hauptstadt auf ungewohnte Schilder mit der Aufschrift „ULEZ“, womit „Ultra Low Emission Zone“ gemeint ist. Mehrere hundert solcher Schilder begrenzen den Londoner Innenstadtbereich, in dem künftig zu jeder Uhrzeit nur noch umweltfreundliche Fahrzeuge verkehren dürfen. Vor 2015 zugelassene Dieselfahrzeuge und vor 2006 angemeldete Benziner werden künftig aus der Innenstadt verbannt und müssen bei Befahren der Umweltzone mit einer Strafe von 12,50 Pfund pro Tag rechnen.

Kameras und Fördergelder

Dies ist jedoch erst ein Vorgeschmack dessen, was die Pkw-, Motorrad- und Lkw-Fahrer in London erwartet. Ab dem 25. Oktober 2021 gilt die ULEZ ab dem Nord- und Südring der Stadt – eine weit größere Fläche als ganz Paris.

Zur Durchsetzung der neuen Regelung stützt sich die Londoner Stadtverwaltung auf ca. 1000 Überwachungskameras, die bereits für die 2003 eingeführte City-Maut installiert wurden. Darüber hinaus setzt die Stadt auch auf Begleitmaßnahmen, um den Umstieg auf umweltfreundlichere Verkehrsarten zu beschleunigen. 25 Millionen Pfund Sterling Fördergelder sind als Anreiz für mittelständische Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten vorgesehen, die ihre Flotte mit Fahrzeugen sauberer Technologie erneuern wollen. Die Kommunalverwaltung hofft, dass die Regierung dieses Programm auch auf einkommensschwache Haushalte ausdehnen wird.

Sofortige Wirkung

Dem Londoner Bürgermeister Sadiq Khan zufolge hat die ULEZ-Wirkung nicht auf sich warten lassen: „Bereits einen Monat nach Inkrafttreten (…) haben wir einen signifikanten Effekt im Hinblick auf diverse Fahrzeugtypen festgestellt, die in das Stadtzentrum fahren und die Luft verpesten.“

Vergleicht man die März- mit den Aprilzahlen, kamen im Schnitt täglich 9400 Autos weniger in die Innenstadt. Gegenüber Februar 2017, Zeitpunkt der Ankündigung des ULEZ-Programms, waren es sogar um 36.000 Fahrzeuge weniger. Einige Autofahrer sind zwischenzeitlich auch auf einen umweltfreundlicheren Antrieb umgestiegen.

Mit Einführung der neuen Maßnahme fiel die Zahl der Fahrzeuge mit dem stärksten Schadstoffausstoß von 35.578 im März auf 26.195 im April. Knapp drei Viertel (74 Prozent) der Fahrzeuge in der Umweltzone entsprachen im April den vorgeschriebenen Emissionsgrenzwerten, im Gegensatz zu 61 Prozent im Vormonat.

Darüber hinaus kommen der Stadtverwaltung zufolge die meisten Fahrzeuge in der emissionsfreien Zone von außerhalb. Die Vorteile umweltfreundlicherer Fahrzeuge mit sauberer Technologie und folglich weniger Emissionen sind somit in ganz London spürbar, auch über die Innenstadtzone hinaus.

Die ULEZ dürfte dazu beitragen, Stickoxidemissionen (NOx) um bis zu 45 Prozent zu verringern und so für Millionen von Londonern die Luftqualität zu verbessern.

Die Ultra Low Emission Zone dürfte dazu beitragen, Stickoxidemissionen (NOx) um bis zu 45 Prozent zu verringern und so für Millionen von Menschen die Luftqualität zu verbessern. Ein Effekt, der insbesondere Kindern, Jugendlichen, Senioren, Menschen mit Atemwegserkrankungen und den Bewohnern der am stärksten belasteten Viertel zugutekommt.

Ziel: null Emissionen

Die ULEZ-Einnahmen werden u. a. zur Finanzierung sauberer Busse dienen. Die Stadt hat sich verpflichtet, ab 2018 schrittweise alle Doppeldecker auf Hybrid-, Wasserstoff- bzw. Elektroantrieb umzustellen. Bis Ende 2019 sollen in stark schadstoffbelasteten Londoner Stadtteilen zwölf Zonen geschaffen werden, in denen emissionsarme Busse verkehren, und bis Oktober 2020 müssen 5000 Busse älterer Generationen abgastechnisch nachgerüstet sein.

Die Einrichtung der ULEZ ist nur eine der Maßnahmen, um die Luftqualität Londons zu verbessern. Weitere Beispiele sind der „Walking“-Plan, um die täglich zu Fuß zurückgelegten Strecken bis 2024 um mehr als eine Million zu erhöhen, der „Vision Zero“-Plan, um die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken und die Straßen für Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen, und der „Freight and Servicing“-Plan für einen sicheren, sauberen und effizienteren Lieferverkehr. Bürgermeister Sadiq Khan hat sich ein ehrgeiziges Ziel vorgenommen: „Bis 2041 sollen 80 Prozent aller Wege in London zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgen“.

Uber peilt hundertprozentigen E-Antrieb an

Mietfahrzeuge mit Fahrer wie Uber, die bisher für Innenstadtfahrten über eine Ausnahmeregelung verfügten, sind nun in der ULEZ im Gegensatz zum traditionellen Black Cab denselben Regeln unterworfen wie private Pkws. Uber fordert daher künftig einen Aufpreis von 15 Pence pro Meile (ca. 17 Euro-Cent). Dieser im Sinne des Clean Air-Plans erhobene Betrag soll Uber-Chauffeuren helfen, auf elektrische Fahrzeuge umzusteigen. Das Unternehmen peilt bis 2025 eine komplette Flottenumstellung auf E Antrieb an.
12/12/2019

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