Die irische Hauptstadt hat sich zur Hochburg des Datenhostings entwickelt. Ein Glücksfall für die Wirtschaft der gesamten Insel.

„Die Leute meinen, dass heute alles aus der Cloud kommt – aber auch die Cloud besteht letztlich aus Daten, die auf Servern gehostet werden. Wir befinden uns hier mitten in der Cloud!“ Wir sind in Dublin, der irischen Hauptstadt, und Brian Roe, Vertriebsleiter von Servecentric, einem der zahlreichen Rechenzentren in der Stadt, weiß, wovon er redet. In Irland gibt es knapp fünfzig Rechenzentren, die sich mit Datenhosting befassen. Die Insel hat sich zu einer Art gelobtem Land für IT-Firmen entwickelt, mit der Hauptstadt im Brennpunkt. Weil Dublin mit zahlreichen Pfunden wuchern kann, ist es ein interessanter Standort für die Digitalbranche. So speichern dort unter anderem Google, Amazon und Facebook die Daten ihrer Kunden. In Dublin und Umgebung werden die Grundstücke, auf denen die Rechenzentren entstehen, wie Banken überwacht. In Sachen Datensicherheit gibt es keine Kompromisse.

Der Datenstrom wächst zusehends und ist untrennbar mit der Entwicklung der „Smart Technologies“, aber auch der Medien und sozialen Netze verbunden.

Es gibt genug junge, qualifizierte und technikaffine Arbeitskräfte. Neben dem mit 12,5 Prozent geringsten Körperschaftssteuersatz in der gesamten EU ist Dublin besonders gut mit den USA und Europa vernetzt. Irland ist zweifellos ein Bindeglied zwischen Europa und Amerika. Dublin und seine Rechenzentren haben weiterhin hervorragende Wachstumsperspektiven. Der Datenstrom wächst zusehends und ist untrennbar mit der Entwicklung der „Smart Technologies“ verbunden, darunter KI, Big Data und Blockchain, aber auch mit der rasanten Entwicklung der Medien und sozialen Netze, wo immer mehr Videos hochgeladen werden – deshalb müssen deutlich größere Dateien übertragen werden als bei reinen Textnachrichten.

Die städtische Wirtschaft profitiert unmittelbar von dem Boom. Die Digitalbranche beschäftigt direkt oder indirekt etwa 5.700 Vollzeitäquivalente, darunter 1.800 Mitarbeiter in Rechenzentren, und das Land geht davon aus, dass bis 2021 weitere 9 Milliarden Euro in Rechenzentren investiert werden. In den nächsten fünf Jahren dürfte sich laut den von Business France zitierten Experten die Anzahl der irischen Rechenzentren verdoppeln.

Energieintensive Branche

Aber solche Serverfarmen brauchen sehr viel Strom für Betrieb und Kühlung. Laut Business France sollen bis 2025 insgesamt 20 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs auf Rechenzentren entfallen. Ein solches Zentrum kann genauso viel Strom verbrauchen wie eine Großstadt, und der irische Stromnetzbetreiber EirGrid (1) rechnet sogar damit, dass 2027 bis zu 31 Prozent des irischen Energiebedarfs von Rechenzentren herrühren wird.

Kritikern, die deswegen um die Einhaltung der irischen Klimaziele fürchten, begegnet Facebook mit einer umfassenden Kommunikationskampagne bezüglich des neuen Rechenzentrums in Clonee bei Dublin und versichert, dass es ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben wird.

Aus denselben Gründen hat Amazon angekündigt, die Abwärme des Rechenzentrums Tallaght (südwestlich von Dublin) zum Heizen der umliegenden Häuser und Büros einzusetzen und so 2.000 Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen. Apple verzichtete im Mai 2018 aus Umweltschutzgründen sogar auf den Bau eines neuen Rechenzentrums in Athenry bei Galway im Westen des Landes. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von 875 Millionen Euro hätte den Stromverbrauch im lokalen Netz laut Projektgegnern um 8 Prozent in die Höhe schnellen lassen.

Neue Erkenntnisse

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass kaum bekannt ist, welche Dateninhalte über Dublin laufen. Manche bezweifeln die Legalität oder gar die ethische Vertretbarkeit der Datenströme und verweisen auf den Skandal rund um Cambridge Analytica, ein Unternehmen, dem das Abschöpfen der Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern vorgeworfen wird. Paul O’Neill forscht an der Dublin City University und hat Zweifel an AWS, der Amazon-Cloud: „Der Aufbau von AWS-Rechenzentren in Irland hat potentiell enorme ethische Auswirkungen.

Aber bei aller Polemik bietet diese Branche Dublin neue Perspektiven in Sachen Technologiecluster. Auch die Hochschulen profitieren von dem Trend und bieten entsprechend angepasste wissenschaftliche, technische und mathematische Studiengänge an.
Die an der Errichtung der modernen Rechenzentren und digitalen Infrastrukturen beteiligten Unternehmen eignen sich Fachwissen an, das Investoren aus aller Welt anzieht.

So profitiert Dublin letztendlich von den positiven Effekten, die sich aus der Spezialisierung auf Rechenzentren und Cloudlösungen ergeben.

(1) Gespräch mit Agence France Presse

10/10/2019

Weitere Infos:
https://www.lepoint.fr/

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